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[00:00:01]

SWR 2 Wissen. Wenn wir scherten, wenn wir uns am Computer oder Smartphone per Textnachricht unterhalten, antwortet uns nicht immer ein echter Mensch.

[00:00:17]

Manchmal schreibt uns ein Computerprogramm zurück Hallo, ich bin Tina vom Kundenservice. Wie kann ich Ihnen helfen?

[00:00:26]

Solche Schadprogramme begegnen uns auf vielen Webseiten, in Messengern wie WhatsApp und auf sozialen Plattformen wie Facebook und Twitter. Nicht immer bemerken wir sie.

[00:00:37]

Manchmal glauben wir, dass wir uns mit einem Menschen unterhalten. In Wirklichkeit aber schreibt uns ein Computerprogramm Fahrverbote sind eine Sauerei.

[00:00:48]

Besitzer von Dieselfahrzeugen werden quasi enteignet.

[00:00:52]

Wie funktionieren Schadprogramme? Was können sie, was können sie nicht? Woran erkennen wir sie? Können Sie uns täuschen? Sind diese Programme intelligent? Reden mit Maschinen. Eine Sendung von Eneas hoch.

[00:01:17]

Guten Tag, wie geht es dir?

[00:01:21]

Früher hätte man davon nur Smalltalk System genannt. Was machst du so?

[00:01:26]

Ursprünglich waren es mal die Bezeichnungen von Computerprogrammen, mit denen man Smalltalk führen kann, typischerweise über Texteingabe. Das hat sich inzwischen ein bisschen gewandelt.

[00:01:38]

Wie kann ich dir helfen? Allgemeiner wird das verwendet für Computerprogramme, mit denen man sprachlich interagiert, und dass man zum Beispiel ein Chatbots haben kann, der für einen Tisch Reservierungen Restaurant macht, oder?

[00:01:51]

Ich habe einen Tisch für zwei Personen am Donnerstag um 19 Uhr Ein Skateboard ist ein Computerprogramm, mit dem man sich unterhalten kann. Am Computer oder Smartphone kann man in Texten und das Programm Texte zurück in natürlicher Sprache wie ein echter Mensch. Chatbots werden vielfältig eingesetzt.

[00:02:13]

Sie liefern aktuelle Nachrichten. 27 Staats und Regierungschefs der EU wissen nicht, ob sie erleichtert oder traurig sein sollen. Mehr. Erfahren, beraten zu Internet Tarifen. Suchen Sie einen Smartphone oder Prepaid Tarif helfen beim äNDern von Adresse und Bankverbindung.

[00:02:34]

Straße an der Mettwurst vier acht fünf sechs fünf erledigen überweisungen 5 Euro, 5 Informieren über Stau, beraten beim Kleidungs, Turnschuhe beim eines Tag schlagen Rezepte für drei Esslöffel Ketchup dazu, verschicken lustige Nachrichten an Freunde.

[00:02:54]

Wie nennt man einen übergewichtigen Vegetarier, Biotonnen, Chatbots oder auch textbasierte Dialogue? Systeme, wie sie im Fachjargon heißen? Gibt es schon seit den 1960er Jahren, und sie werden immer besser und schneller. Dass da kein echter Mensch schreibt, sondern ein Computerprogramm, das merken Nutzer in einigen Fällen gar nicht mehr.

[00:03:20]

Hier ist alles super und bei dir in sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook und Co. sind Maschine und Mensch kaum noch zu unterscheiden.

[00:03:32]

Denkt noch, wer das die EU und Großbritannien den Flug MH17 als Ausrede benutzt, um Russland zu attackieren? Bei der zunehmenden Antibiotikaresistente und den vielen Toten durch Arzneimittel Nebenwirkungen sind sanft wirkende Heilmethoden wie die Homöopathie. Die einzige Lösung freie Fahrt für freie Bürger.

[00:03:51]

parkverbote sind eine Sauerei. Besitzer von Dieselfahrzeugen werden quasi enteignet, Social Bots würde man die nennen, unsere Chatbots, die in den sozialen Netzwerken unterwegs sind und sich unter Umständen auch gar nicht als Computerprogramme zu erkennen geben.

[00:04:07]

David Schlangen ist Professor für Computerlinguistik an der Universität Bielefeld.

[00:04:12]

Hier werden sie eingesetzt, um eine bestimmte Botschaft zu multiplizieren. Besonders besonders zu verstärken.

[00:04:19]

Sexualstraftäter zieht in Asylunterkunft! Deutschland wird zum Streichelzoo für Vergewaltiger, Terroristen und Scheinasylanten.

[00:04:28]

Für Menschen wird es in solchen Diskussionen immer schwieriger zu erkennen, dass dort eine Maschine schreibt. Aber ein paar Hinweise gibt es. Manche Bots erkennt man daran, dass sie unnatürlich viel oder zu seltsamen Zeiten posten, sagt David Schlangen, ein Benutzer, der 24 Stunden am Tag Nachrichten absetzt und mit fünf Minuten Abstand vielleicht.

[00:04:50]

Das ist vermutlich kein menschlicher Nutzer, denn normale Menschen müssen etwas anderes machen als Nachrichten abschicken.

[00:04:57]

Manche Bots schreiben immer das Gleiche Man kann gucken, ob dieselbe Nachricht abgeschickt wurde, ob die auch noch von anderen Benutzern identisch abgeschickt wurde. Nichts wie raus aus dem Grundgesetz!

[00:05:12]

Lasst uns eine Verfassung schreiben, Staatsgebiet festlegen, Staatsgebiet festlegen, Staatsgrenzen festlegen und Grenzen dicht und so weiter.

[00:05:22]

Ob das so aussieht, als ob da jemand das selbst verfasst hat oder ob das nach einer konzertierten Aktion aussieht?

[00:05:28]

Manche Bots reagieren automatisch auf bestimmte Schlüsselwörter. Das kann man oft leicht erkennen, weil diese Art von Antworten auf Schlüsselwörter eben einfach daneben gelaufen ist und inhaltlich gar nicht wirklich richtig gepasst hat.

[00:05:42]

In der Gruppe war ein echt gutes Klima Nur null komma null drei Prozent des CO2 in der Atmosphäre kommen von Menschen. Die globale Erwärmung kommt nicht von uns Menschen. Welche Beweise brauchen wir denn noch?

[00:05:57]

Man kann Bots auch daran erkennen, dass sie untereinander vernetzt sind, sagt Professor David Schlangen, um sich als Mensch zu tarnen.

[00:06:06]

Die Autoren von solchen Programmen darauf gekommen, dass es nützlich ist, wenn auch Freunde oder Follower hat. Das sind dann sogenannte BoD Farmen. Das heißt, dass der Autor dieses Systems gleichzeitig vielleicht hunderte, vielleicht Tausende solcher User anlegt, die sich dann alle miteinander befreunden und auf diese Weise versuchen die eben so auszusehen wie normale Benutzer.

[00:06:28]

1 ist mit Band 2 befreundet, 2 ist mit 3 4 befreundet, 3 und 4 sind mit Word 5 und 6 und 7 befreundet. Und schon entsteht für einen Menschen der Eindruck, dass es sich bei den Accounts jeweils auch um Menschen mit einem Freundeskreis handelt. Letzten Endes käme man Bots auf die Spur, wenn man nicht nur einen einzelnen Post von ihnen läse, sondern versuchte, eine echte Unterhaltung mit ihnen zu führen. Denn das können sie schlecht. Für welche Mannschaft bist du?

[00:07:00]

Ich bin Fan von Leeds United, Leeds.

[00:07:05]

Wie läuft die Saison?

[00:07:08]

Ja, es ist eine Stadt im Norden von England.

[00:07:11]

Oft sind es keine wirklichen Interaktionen, wo man länger mit demselben Bordmitteln reden würde. Wenn das der Fall ist. Dann kann man meistens relativ schnell herausfinden, ob da ein Programm dahinter sitzt oder ein echter Mensch, einen guten Chatbots zu bauen.

[00:07:26]

Ein Programm, mit dem man sich wirklich unterhalten kann, ist immer noch eine Herausforderung, sagt der britische Entwickler Steve.

[00:07:40]

Chatbots besitzen selbst keine Intelligenz. Sie verstehen überhaupt nicht alles, was sie machen, ist. Sie gucken in einer großen Datenbank mit Antworten nach. Wenn jemand Hallo sagt, dann gucken sie in die Datenbank und sehen Wenn jemand Hallo sagt, sollte ich antworten Hi, wie geht's? Das wirkt intelligent, aber es ist eine Illusion. Das ist überhaupt keine Intelligenz. Doch was heißt überhaupt Intelligenz?

[00:08:08]

Wann nennen wir ein Computerprogramm intelligent? Diese Frage hat sich der visionäre Informatiker, Pionier Alan Turing, schon 1950 gestellt. Er hatte sich schon damals Gedanken darüber gemacht, dass Rechenmaschinen immer besser und schneller werden und sie eines Tages tatsächlich intelligent sein könnten. Und er hatte sich gefragt Wie könnte man dann einen Menschen und einen Computer voneinander unterscheiden? Turing erfand einen Test, heute bekannt als Turing-Test. Ein Preisrichter unterhält sich per Chat einmal mit einem Menschen, einmal mit dem Computerprogramm.

[00:08:47]

Er weiß dabei aber nicht, welcher Gesprächspartner der Mensch ist. Und welcher die Maschine am Ende einer vorgegebenen Zeit muss er sich entscheiden. Wenn es dem Computerprogramm gelingt, den Preisrichter zu täuschen. Das heißt, wenn der Preisrichter das Programm für den Menschen hält, dann sagt man Das Programm ist intelligent und hat den Turing Test bestanden.

[00:09:16]

Was studierst du Midi?

[00:09:18]

Aktuell bin ich mitten in einem Psychology Kurs an der Universität.

[00:09:22]

Und was machst du sonst so, Millie? Ich trage gern Hast du was für mich? Pikant Hättest du es denn gerne? Verräters du mir den peinlichsten Moment, den du je hattest. Nur wenn du mir deinen sagst.

[00:09:38]

Das war, als wer behauptete, sie wäre Britney Spears, und ich habe sie ausgelacht. Aber dann hat sich herausgestellt, dass sie es wirklich war. Was gibt's zu lachen? Britney Spears? Dieser.

[00:09:55]

Diese Unterhaltung per Text hat wirklich stattgefunden. Ob Dave wirklich Dave heißt, ist nicht bekannt. Aber es gibt ihn. Er ist ein Mensch, und er hat wirklich am Bildschirm gesessen und in die Tastatur getippt. Ob Miley wirklich Miley heißt, ist nicht bekannt. Ob sie ein Mensch ist, ist ebenfalls nicht bekannt. Genau darum geht es. Es war ein Turing-Test, um herauszufinden Sitzt ein Mensch am anderen Ende der Leitung oder eine Maschine? Juroren sollten durch kurzes Chatten herausfinden, ob ihr Gesprächspartner echt ist oder nur ein intelligentes Computerprogramm.

[00:10:34]

Man muss sich vorstellen, dass Thüring das verfasst hat. Zu einer Zeit, als es noch gar nicht wirklich digitale Computer gab, hat er sich schon darüber Gedanken gemacht, wie man künstliche Intelligenz messen kann. Feststellen kann.

[00:10:45]

David Schlangen, Professor für Computerlinguistik an der Universität Bielefeld.

[00:10:50]

Und er hat eben nicht so etwas gewählt wie Schach spielen oder Golf spielen. Da hat sich schnell gezeigt, dass solche Dinge, die Menschen schwerfallen, wie Schach spielen, wo es wirklich Experten braucht, und das sehr gut zu können, dass solche Dinge Computern leicht fallen, wohingegen Sachen, die Menschen sehr leicht fallen, wie einen freundlichen Plausch zu führen, mit jemandem das Recht schwer zu simulieren, recht schwer sind, mit dem Computer hinzubekommen.

[00:11:18]

1991 hat der amerikanische Soziologe Hulot einen Preis ausgeschrieben für das erste Computerprogramm, das den Turing-Test besteht.

[00:11:29]

100 000 Dollar und eine Medaille aus massivem Gold.

[00:11:33]

Wie lebst du? mili durch Essen und Atmen? Was meinst du? Lebst du allein? Verstehe.

[00:11:42]

Danke fürs Erklären. Nein, ich lebe bei meinem Vater.

[00:11:50]

Der Brite Steve Swag wurde mit seinem Computerprogramm jeweils 2013 16 und 17 beim Londoner Preis als der beste Teilnehmer ausgezeichnet. Der Chatbots, der sich als Millie ausgegeben hat, der angeblich bei seinem Vater lebt und von der peinlichen Begegnung mit Britney Spears berichtete, ist von ihm.

[00:12:10]

Trotz des Erfolgs ist Steve VIX skeptisch. Bei dem Wettbewerb sollen Computerprogramme so menschlich wie möglich werden.

[00:12:24]

Ich persönlich finde, das ist kein sinnvolles Ziel. Was ich also hauptsächlich mache, wenn ich mich auf einen Turing-Test vorbereite, ist. Ich muss mein Programm dümmer erscheinen lassen, als es ist. Denn wenn jemand fragt Wie hoch ist der Mount Everest?

[00:12:40]

Und wenn der Chatbots dann antwortet, er ist acht tausend acht hundert 40 Meter hoch, würde ihn das sofort als Chatbots entlarven. Denn wahrscheinlich weiß das kein Mensch spontan so genau. Wenn man aber einen Menschen fragt Wie hoch ist der Mount Everest? Würde er wahrscheinlich sagen oder bin ich nicht sicher? Ich weiß aber, dass es der höchste Berg ist.

[00:13:04]

Ist der Turing-Test also geeignet, um bei einem Computerprogramm Intelligenz festzustellen?

[00:13:10]

Es keine bekäme? Es geht dabei um Täuschung. Ich denke aber, intelligente Programme sollten uns helfen, anstatt dass sie uns in die Irre führen. Die menschliche Antwort bei der Frage, wie hoch der Mount Everest ist, ist zwar die menschlichere Antwort, aber sie ist nicht die intelligentere Antwort und auch nicht die nützliche. Also Programme zu schreiben, die uns täuschen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was das bringen soll.

[00:13:36]

Steve Wozniak füttert die Datenbank, aus der sein Chatbots seine Antworten nimmt, mit Informationen, die er aus echten Charts bekommt. Informationen über Alter, Hobbys, Beruf, Sport, Orte, Musik, Filme. Außerdem baut er fest hinterlegte Tippfehler und Slang Ausdrücke ein, damit sein Chatbots beim Antworten menschlich wirkt. Auch die anderen Chatbots beim Leobener Preis basieren auf einer Datenbank und festen Regeln, wie sie sich daraus eine Antwort zusammenbauen. Dabei könnte es vielleicht auch anders gehen.

[00:14:11]

In den letzten Jahren haben gerade Computerprogramme enorme Fortschritte erzielt, die keine exakten Regeln befolgen, sondern die anhand von Beispielen selbst lernen, was sie machen sollen. In manchen Fällen klappt dieses maschinelle Lernen erstaunlich gut, zum Beispiel bei Spracherkennung. Sprachassistenten wie Siri und Alexa verstehen meist gut, was man zu ihnen sagt, weil sie anhand von unzähligen sprach Kommandos, die Benutzer ihnen gegeben haben, gelernt haben, was gemeint ist.

[00:14:44]

Alexa Spiele wissen von SWR 2, SWR 2 Wissen. SWR 2 Podcast Straße an der Mettwurst, ARD vier acht fünf sechs fünf Steyler erledigen überweisungen 40 Euro fünf.

[00:15:02]

Informieren über Stau. Beraten beim Kleidungs kaufen. Turnschuhe beim Buchen eines mittrage Tag schlagen, Rezepte vor drei Esslöffel Ketchup dazugeben.

[00:15:12]

Könnte man auch Chatbots so programmieren, dass sie nicht nach festen Regeln Antworten aus einer fertigen Liste nehmen, sondern dass sie anhand von echten Unterhaltungen zwischen echten Menschen selbst lernen, wie sie ein Gespräch führen sollen.

[00:15:28]

Steve Wozniak hält das für unrealistisch. Ich habe ein paar Bots gesehen, die auf maschinelles Lernen basieren. Die werden zum Beispiel gefragt Was ist deine Lieblingsfarbe? Und antwortet mit sowas wie Affe. Das ist Unsinn. Aber man kann nicht mehr nachvollziehen, warum sie so antwortet.

[00:15:47]

Sprach und Bilderkennung funktionieren durch maschinelles Lernen immer besser. Smartphones erkennen zum Beispiel, wer auf Fotos abgebildet ist, und sie verstehen, was wir zu ihnen sagen. Doch das mächtige maschinelle Lernen scheitert am Plaudern.

[00:16:06]

Es gibt einfach zu viele Möglichkeiten, wie ein Gespräch verlaufen kann, sagt der Bielefelder Computerlinguistik David Schlangen.

[00:16:14]

Und maschinelles Lernen funktioniert so, dass Muster vorgegeben werden. Und ein System soll lernen vorherzusagen, was in den Daten als nächstes passiert ist. Wenn jetzt allerdings auch hätte sein können, dass der Dialog anders weitergeht und trotzdem ein guter Dialog gewesen wäre, dann sind solche Daten prinzipiell eher schwieriger zu benutzen. Für maschinelles Lernen ist es schwieriger, da allgemeingültige Muster herauszuholen. Und das ist ein prinzipielles Problem. Das wird auch nicht besser, wenn man zehn Millionen Dialoge hat oder noch mehr Dialoge hat.

[00:16:46]

Das nennt man kombinatorische Explosion. Einfach dadurch, dass es an jeder Stelle viele Möglichkeiten gibt, anders weiterzumachen.

[00:16:54]

Trotz der Fülle an Möglichkeiten haben Menschen Erfahrung darin, wie normale Gespräche verlaufen. Und mit diesem Wissen programmieren sie Chatbots. Sie erstellen dazu eine Datenbank mit fertigen Textbausteinen und eine Liste mit Regeln, wie der Chatbots daraus Antworten zusammensetzen soll. Beispielsweise wird programmiert, wenn ein Benutzer Hallo schreibt, soll der Chatbots auch mit einer Gruß Floskel antworten wie Hallo oder?

[00:17:24]

Hi, oder wenn ein Benutzer fragt Was hörst du so soll der Chatbots einen konkreten Textbausteinen verwenden.

[00:17:34]

Ich höre meistens und dann eine Musikrichtung nennen oder einen konkreten Interpreten David Hasselhoff.

[00:17:41]

So entsteht der Eindruck, der Chatbots versteht, was Benutzer fragen. In Wirklichkeit jedoch versteht er nichts. Er befolgt feste Regeln, welche Antwort Bausteine er in welchen Situationen verwenden soll. Das klappt inzwischen gut. Chatbots, die nicht auf solchen festen Regeln, sondern auf maschinelles Lernen basieren, sind zurzeit noch deutlich schlechter.

[00:18:06]

Momentan ist das noch sehr weit Grundlagenforschung. Andererseits Wenn es irgendwie funktionieren soll, dann muss es über maschinelles Lernen funktionieren. Es ist aussichtslos zu hoffen, dass man alle Muster hinschreiben könnte, mit denen man einen beliebigen Dialog führen will. Also in irgendeiner Form wird maschinelles Lernen dahinterstecken. Wenn das jemals funktionieren soll.

[00:18:26]

Eine weitere Schwierigkeit beim maschinellen Lernen neben der Fülle an Möglichkeiten, wie ein Gespräch verlaufen kann, ist das richtige Trainings Material. Das hat der Softwarehersteller Microsoft im Jahr 2016 gemerkt. Microsoft hatte einen selbst lernenden Tretboot namens Tay gestartet und musste ihn nach weniger als 24 Stunden wieder abschalten. Tay hatte aus Scherz mit echten Menschen gelernt und war innerhalb weniger Stunden rassistisch, hasserfüllt und menschenverachtend geworden. So schrieb das Programm unter anderem.

[00:19:05]

Hitler hatte recht Ich hasse Juden, die selbst lernende Software war von Usern absichtlich mit Hass und Hetze bombardiert worden. So wurde sie in kürzester Zeit zu einem digitalen Hitler.

[00:19:22]

Chatbots, die nicht selbst lernen, sondern die schlicht auf festen Regeln basieren, sind inzwischen erstaunlich gut. Sie können viele Unterhaltungen führen, ohne aufzufallen. Dennoch Bis jetzt hat noch kein Chatbots den Preis gewonnen. Das heißt, den Turing-Test bestanden den Test, der bei einem Computerprogramm Intelligenz feststellen soll.

[00:19:46]

Das ist aber schade, denn auch die besten Chatbots verraten sich in der Regel innerhalb weniger Sätze, weil sie auf skurrile Fragen unsinnige Antworten geben oder es nicht schaffen, eine längere Konversation zu einem Thema zu führen, sagt David Schlangen.

[00:20:02]

Die Fähigkeit, eine Unterhaltung zu führen über längere Zeiträume, das ist natürlich schon eine sehr interessante Fähigkeit. Wie das funktioniert, das herauszufinden. Das ist etwas, wo viele Fähigkeiten, viele Aspekte intelligenten Verhaltens zusammenkommen. Man muss etwas über die Welt wissen, um etwas zu sagen, zu haben und zu reagieren, und darauf, was der andere sagt. Man muss etwas über die Sprache wissen, um sie zu verstehen und benutzen zu können. Und das muss eben zusammenkommen und normalerweise auch unter Zeitdruck.

[00:20:33]

In der Unterhaltung kann man nicht ewig nachdenken, was man sagt. Von daher ist es schon quasi die Krönung intelligenten Verhaltens, das der Mensch in der Lage ist zu produzieren und damit natürlich ein sehr faszinierendes Forschungsziel.

[00:20:47]

Doch was ist mit Sprache? Assistenzsystemen wie Alexa und Siri? Können wir uns mit denen denn nicht schon unterhalten?

[00:20:55]

Siri Wie wird das Wetter in Hamburg?

[00:20:59]

Es steht für heute in Hamburg gutes Wetter an. Bis zu elf Grad und sonnig.

[00:21:05]

Systeme wie Siri oder Alexa sind meistens darauf optimiert, daraufhin gebaut, dass man eine Sache sagt. Und dann reagiert das System. Und das war's dann auch schon. Woran wir arbeiten, ist es hinzubekommen, dass man eben mehr als nur dieses eine Hin und Her modellieren kann, sondern dass man tatsächlich auch längere Unterhaltungen modellieren kann, erzeugen kann.

[00:21:28]

Mehr als kurze, präzise Kommandos sind heute eben noch nicht drin.

[00:21:32]

Siri spiele Musik. Intelligente Assistenten heutzutage brauchen es meistens noch, dass man sie explizit ausdrückt, was man möchte, also einem Assistenten im Smart Home, würde man vielleicht sagen Macht das Licht im Wohnzimmer an für explizites ja deutlich, was man möchte. Einem Menschen gegenüber würde man vielleicht eher so etwas sagen wie ganz schön dunkel geworden, und der Mensch würde wissen, was man damit meint. Um dann von so etwas wie ziemlich dunkel zu kommen, darauf, dass man möchte, dass das Licht angemacht wird.

[00:22:25]

Da sind dann viele Schritte, viele Schritte nötig, wissen, ob das ein generell wünschenswerter Zustand ist oder nicht und was man tun kann, um diesen Zustand abzustellen.

[00:22:36]

All solche überlegungen stellt ein Mensch ohne Aufwand, ohne das überhaupt zu merken, an. Die Schwierigkeit für die Dialogue Systeme ist, dass Sprache mehrdeutig ist, dass Wörter und Sätze je nach Zusammenhang etwas anderes bedeuten können. Doch wenn Chatbots wissen, worum es im Gespräch geht und wie es verlaufen könnte, können sie zum Teil beeindruckend kommunizieren und sind kaum von echten Menschen zu unterscheiden. Im Jahr 2018 präsentierte der Geschäftsführer von Google, Sundar Pichai, einen erstaunlichen Fortschritt bei der Entwicklung des Sprachassistenten Google Assistant.

[00:23:12]

Er ließ das Programm bei einem Friseur anrufen und selbstständig einen Termin ausmachen.

[00:23:18]

Google Assistent Lesley Hier ist der Google Assistent Real Salan. Aber hat der Turing-Test vielleicht Unrecht Dem Turing-Test nach sind heutige Computerprogramme noch nicht so intelligent wie Menschen, weil sie kein Gespräch führen können, wie Menschen es tun. Doch das Beispiel mit dem Friseurs Termin zeigt, dass es ihnen manchmal eben doch gelingt. Ein Computer. Linguist David Schlangen ist skeptisch, ob der Turing-Test, bei dem ein Computerprogramm einen menschlichen Juror davon überzeugen muss, ein Mensch zu sein, wirklich etwas über die Intelligenz des Programms aussagt.

[00:24:49]

Das ist dann letztlich kein nützliches Ziel für die Forschung. Versuchen, Systeme zu erstellen, die Menschen hereinlegen? Da lernt man eher etwas darüber, was die Gebiete sind, wo Menschen leichtgläubig sind und auch Chatbots.

[00:25:01]

Entwickler Steve WSW bezweifelt, dass überhaupt jemals ein Chatbots im direkten Vergleich gegen einen Menschen gewinnen kann.

[00:25:13]

Es ist kompliziert, denn die Maschine muss nicht nur menschlich wirken, sie muss menschlicher wirken als die andere Person, mit der der Juror spricht. Die Juroren dürfen nämlich nicht beide als menschlich einstufen. Ein Programm zu schreiben, das menschlicher ist als ein echter Mensch, das ist unglaublich schwierig.

[00:25:33]

Computer erkennt man daran, dass sie nicht plaudern können, seit es Computer gibt. Seit über einem halben Jahrhundert ist Plaudern für sie eine unlösbar schwierige Aufgabe.

[00:25:45]

Noch aber sollte es ihnen eines Tages gelingen, sollten Sie lernen, ein Gespräch zu führen wie ein Mensch. Dann brauchen wir ein neues Kriterium, ein anderes als den Turing-Test, um zu entscheiden, ob ein Computer intelligent ist. Dann brauchen wir ein anderes Kriterium, um zu unterscheiden. Ist es ein Mensch oder eine Maschine? Die Welt verstehen jeden Tag SWR 2 Wissen, Manuskripte und weiterführende Informationen zu unserem Podcast und den einzelnen Folgen gibt es unter SWR 2 wissen. De.