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[00:00:04]

Herzlich willkommen bei den Nachrichten Podcast von Zeit ONLINE Heute ist Montag der 24. August. Ich finde es schön, dass Sie wieder dabei sind. Heute geht es hier um ein großes Experiment, eine Massenveranstaltung mitten in der Pandemie. Das zweite Thema ist auch ein Experiment. So ein Gedankliches. Eine Ampelkoalition auf Bundesebene. Und was diese Idee mit dem aktuellen Zustand der FDP zu tun hat. Jetzt kommen aber erst mal die Nachrichten.

[00:00:33]

Guten Morgen! Der FC Bayern München hat Fußball Champions League gewonnen. Die Mannschaft von Trainer Hansi Flick besiegte den französischen Meister Paris Saint-Germain in Lissabon mit eins zu null. Für die Bayern ist das das zweite Mal, dass sie in einem Jahr die Meisterschaft, den DFB-Pokal und die Champions League gewinnen. Nach dem Spiel kam es in Paris zu Ausschreitungen. Randalierer setzten Fahrzeuge in Brand, zertrümmerten Schaufenster und verwüsteten Geschäfte. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Gummigeschossen ein. Die US-Behörden haben den Einsatz von Blutplasma bei der Behandlung von Coruna Erkrankungen erlaubt.

[00:01:08]

Die Aufsichtsbehörde FDA sagte, das Plasma könne bei der Therapie effektiv sein. Präsident Trump zeigte sich weitaus euphorischer und sprach von einer unglaublichen Erfolgsrate, die zahllose Leben retten werde. Trump erwägt Medienberichten zufolge außerdem, noch vor der Präsidentschaftswahl per Notfall Genehmigung einen Impfstoff zuzulassen. Zuvor hatte Trump geklagt, dass die FDA die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen absichtlich erschwere, damit es vor der Wahl keine Erfolgsmeldungen mehr gebe. Diese Meldungen kommen kurz vor dem heute beginnenden Parteitag der Republikaner. Redaktionsschluss für diesen Podcast ist fünf Uhr.

[00:01:49]

Wie hoch ist das Coruña Ansteckungsrisiko bei Großveranstaltungen und unter welchen Umständen sind Konzerte oder Sportevents mit viel Publikum wieder möglich? Antworten auf diese Fragen soll ein große Experiment geben, das am Wochenende in Leipzig stattgefunden hat. Der Titel Start 19 für Zeit ONLINE mit dabeigewesen ist Maria mãsst aus unserem Wissens Ressort, mit der ich jetzt darüber reden kann. Maria, Hallo Moses, was war das für ein Experiment?

[00:02:15]

In der Studie geht es darum herauszufinden, was Grossveranstaltungen eigentlich so gefährlich macht. Sind es die Wege? Ist es, dass man sich in einem selben Raum aufhält? Oder sind es die Oberflächen, die man berührt? Sind es die Aerosole? Das wollen die Forscher herausfinden, indem sie Daten dazu erheben, wie sich Besucherinnen verhalten. Da wurden zirka 1400 Probanden und Probandinnen mit kleinen Sendern ausgestattet, die den Abstand zu den anderen Teilnehmern messen. Sie haben fluoreszierende Desinfektionsmittel bekommen, mit denen die Forscher dann nachvollziehen wollen, welche Oberflächen besonders oft angefasst werden.

[00:02:55]

Und an diesem Tag wurden drei verschiedene Konzerte Szenarien, alle mit Tim Bendzko simuliert, einmal mit abstimmungsregeln wie For Coruna, einmal mit größerem Abstand und anderen Laufwegen und beim dritten Mal wirklich mit ganz großen abstimmungsregeln, sodass die Konzertbesucher quasi über die ganze Halle verteilt wurden.

[00:03:14]

Und wer waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer? Ja, das waren Freiwillige, die sich auf der Seite des Projektes anmelden konnten. Und das war vom Tim Bendzko bis zum musikbegeisterten Heavy Metal Fan über Handball Fans ganz, ganz unterschiedlich.

[00:03:28]

Mehr als tausend Menschen, die fast zehn Stunden lang in einer Halle waren. Was haben die Veranstalter gemacht, um zu verhindern, dass daraus das nächste Supersportwagen Event wird?

[00:03:36]

Der Studienleiter Stefan Moritz ist eine Infektiologie der Uni Medizin Halle. Der hat immer wieder darauf hingewiesen, dass es verschiedene Sicherheits Bausteine gibt. Ein zentraler war der Coruna Test, den alle Teilnehmenden davor selbst gemacht haben mäßig, also höchstens 48 Stunden davor. Nur wer einen negativen Test vorweisen konnte, durfte dann in die Halle. Die Temperatur wurde gemessen, man hat eine P2 Maske bekommen, also die Masken, die auch in Krankenhäusern getragen werden. Und es gab das Abstandes und Sicherheitskonzept, unter anderem bestehend aus diesen Desinfektionsmitteln und den verschiedenen Laufwegen.

[00:04:15]

Gucken wir mal eben noch auf die Seite der Veranstalter. Das ist ja schon eine ungewöhnliche Allianz. Ein Popsänger Tim Bendzko, ein Handball-Bundesligist der CD HFBK Leipzig und ein Team von Wissenschaftlerinnen der Universität in Halle an der Saale haben sich gefunden.

[00:04:31]

Ja, das war so der Geschäftsführer des Leipziger Handball Vereins. Der ist sehr engagiert, und der wollte gerne eine Lösung dafür finden, dass der Handball ohne Zuschauer sterben wird. Weil der Handball ist da noch stärker als andere Sportarten darauf angewiesen. Und er hat sich dann an den Studienleiter Stefan Moritz gewandt und gesagt Wir müssen da was machen, wir brauchen eine Lösung. Und dann hat er Stefan Moritz überzeugt, ein Projekt zu entwickeln, um die relevanten Daten erst einmal zu erheben.

[00:05:00]

Und so ist es vor ein paar Monaten erst auf den Weg gekommen.

[00:05:03]

Zum Schluss noch eine Frage, die du in deinem Text auf Zeit ONLINE aufwirft. Großveranstaltungen wie diese leben ja normalerweise von der Nähe. Stichwort Stage Diving oder Fangesänge. Und kurios jetzt mal im sportlichen Kontext. Wie hat sich das Erlebnis für dich verändert? Als ein Konzert unter Corona Bedingungen simuliert wurde.

[00:05:22]

Ich war tatsächlich überrascht, wie nah das Ganze dem Gefühl von einem relativ normalen Konzert kam. Es ist so Man ist in einer riesigen Halle, und der Klang ist mega gut. Also der Beat ist einfach laut, und ja, der Abstand ist irritierend. Und ich habe gesagt, dass wird den einen Musikliebhaber mehr als für den anderen. Weil und Stage Diving ist, glaube ich bei Tim Bendzko auch normalerweise nicht so angesagt. Und ich habe sogar mit einem Metal-Fans gesprochen, und der hat nach dem Konzert gesagt, dass das zwar nicht seine Musik ist, aber dass dieses Live-Erlebnis und eine tolle Band trotzdem total super für ihn war.

[00:05:57]

Danke Maria, danke Moses!

[00:05:59]

Ergebnisse von Start 19 soll es ungefähr in zwei Monaten geben. Ich würde sagen, wir verabreden uns jetzt schon mal für Oktober, um dann über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu sprechen Machen wir ja.

[00:06:15]

Und sonst so, was Sie in diesem Moment nicht sehen? Ich habe meine Hand zu einer Pommes Gabel geformt, was sie nicht hören und auch nicht hören werden. Das bin ich beim Growing Screaming oder hauteng. Ich kann das nämlich nicht, auch wenn mich diese Gesangstechnik sehr interessieren und ich großen Respekt vor der Leistung von Musikerinnen und Musikern habe, die Heavy Metal spielen. Wacken, das legendäre Festival in einem Dorf in Schleswig-Holstein, hat genau heute vor 30 Jahren zum ersten Mal stattgefunden.

[00:06:42]

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Und ich empfehle bei dieser Gelegenheit die Doku Full Metal Village, die Sie sich noch fünf Monate lang kostenlos in der Mediathek von 3sat anschauen können. Den Link dazu finden Sie in den Showdowns.

[00:07:00]

Aus der FDP bin ich in letzter Zeit nicht richtig schlau geworden. Da war der legendäre Satz von Parteichef Christian Lindner vor bald drei Jahren, es sei besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren. Und dann ein Ereignis vor einem guten halben Jahr, das mich persönlich schockiert hat. Ein FDP-Politiker hat sich in Thüringen mithilfe von Faschisten zum Kurzzeit Ministerpräsidenten wählen lassen. Und es gab prominente Stimmen in der Partei, die nicht einsehen konnten oder wollten, warum das ein krasser Tabubruch gewesen ist.

[00:07:27]

Jetzt kommen von der FDP auf einmal völlig neue Signale einer Koalition mit SPD und Grünen auf Bundesebene unter einem Kanzler. Scholz scheint man nicht abgeneigt zu sein. Nichts ist so langweilig wie Koalitions Debatten ein Jahr vor der Bundestagswahl. Es sei denn, es geht dabei um die FDP. Der Satz ist nicht von mir, sondern von meinem Kollegen Robert Pausch. Den hat er in der aktuellen Zeit geschrieben, und ich will mit ihm drüber sprechen. Hallo Robert, hallo?

[00:07:53]

Mal unabhängig von der aktuellen Umfrage Situation, die eine Ampelkoalition auf Bundesebene unwahrscheinlich erscheinen lässt. Woher kommen denn diese Farbenspiele? Auf einmal, ein Jahr vor der Wahl?

[00:08:02]

Man sieht, dass die Scholz Kandidatur so ein klein bisschen Bewegung in diese ganzen Debatten eingebracht hat. Wir hatten zuerst ein Nachdenken über Rot-Rot-Grün, auch weil die Parteiführung der SPD dort Signale in diese Richtung gesendet hat. Und dann kam eine Woche später diese Debatte um die FDP, die ja insofern interessant ist, als das letzte, was man von ihnen in Richtung Regierung gehört oder wahrgenommen hat, zumindest die breite öffentlichkeit war das nicht eintreten in die Jamaika Regierung. Insofern ist jetzt die Lage für die FDP, so sehen es zumindest Grüne und Sozialdemokraten so, dass sie im Prinzip nicht nochmal nein sagen können.

[00:08:39]

Aber man muss eben auch sagen Wir sind ein Jahr vor der Wahl, und rechnerisch spricht gerade nichts dafür, dass das überhaupt eine Mehrheit hätte.

[00:08:47]

Vor einer Woche hat Parteichef Lindner die bisherige Generalsekretärin Linda Seberg entlassen. Ihr Nachfolger soll Volker Wissing werden, der bisher in Rheinland-Pfalz Wirtschafts und Verkehrsminister ist. Zufällig in einer Ampelkoalition. übrigens In welchem Zustand siehst du die FDP in diesen Tagen?

[00:09:03]

Was man sicherlich sagen kann, ist, dass Linda Nehberg jetzt nicht schuld an den fünf Prozent in den Umfragen ist oder an dem Zustand der Partei im Allgemeinen. Der Zustand der Partei ist insofern problematisch, als dass man gerade sieht fünf Prozent, und die Tendenz ist eher fallend. Das kann Lindner nicht gefallen, und man sieht auch gerade dort, dass er nun den interessanten Satz Er braucht mehr Hilfe und Unterstützung bei der Führung der Partei. Das wurde in der Partei durchaus mit Lächeln wahrgenommen, weil man sagt.

[00:09:31]

Lindner ist nun derjenige, der sehr viel Wert darauf legt, die Dinge selbst zu bestimmen, der nicht als guter Teamspieler gilt und jetzt sagte Ich brauche Hilfe. Das sagt auch viel über den Zustand der Partei aus.

[00:09:41]

Was muss die FDP deiner Meinung nach machen, um wieder für mehr Wählerinnen und Wähler attraktiv zu werden?

[00:09:46]

Was sie jetzt gerade macht, ist eine Schärfung ihres Wirtschafts Profils, indem man sagt, es wird eine große Debatte über die ökonomische Krise geben. Das heißt, wir sind als Partei der Wirtschaft dort irgendwie präsent. Ich bin mir ehrlich gesagt unsicher, ob das reicht, um einen Wahlkampf damit zu bestreiten. Ich glaube, wichtiger wäre es, sich unterschiedlich Plural zu positionieren, auch Leute nach vorne zu lassen, die für eine andere FDP stehen. Da gibt es ja einige in der Partei.

[00:10:11]

Von denen kriegt man aber gerade sehr wenig mit. Zum Beispiel Johannes Vogel, der auch als Generalsekretär immer wieder gehandelt wurde. Ein klassischer sozial liberaler, wenn man so möchte. Es gibt Konstantin Kuhle, Rechtspolitiker in einer Art Gerhart Baum Tradition. Das sind Leute, die interessant, die stehen für eine FDP, wie man sie gerade nicht sieht. Und das ist sicherlich ein Problem für die Partei, dass sie als Christian Lindner Partei wahrgenommen wird und Christian Lindner gerade kam.

[00:10:38]

Aktuelle Zahlen raus hat in der Krise massiv an Popularität verloren. Das ist auch für die Partei ein Problem.

[00:10:44]

Für wie realistisch hältst du das Szenario einer Ampelkoalition auf Bundesebene im Moment?

[00:10:48]

Ich sehe dort große Hürden, programmatische Hürden. Die ganzen Themen Wirtschaftspolitik, Klimapolitik, Finanzpolitik, Migrationspolitik, letztlich auch dort liegt viel trennt zwischen diesen drei Parteien, insbesondere zwischen der FDP und Grünen und Roten, auf der anderen Seite. Man sollte trotzdem nichts ausschließen. Es kann sein, dass wir nach dieser Wahl in wirklich neuen Konstellationen lernen müssen zu denken. Und ich glaube, darum sollte man einfach mal schauen, in welche Richtung es weitergeht. Noch haben wir ja ein Jahr Zeit bis zur Wahl.

[00:11:21]

Danke Robert, danke dir! Und das war's für heute Morgen mit was jetzt? Wir sind heute Nachmittag wieder für Sie da. Fragen und Anregungen können Sie uns schicken. An was jetzt? Ich bin Moses Fendel. Danke fürs Zuhören und Kommen sehr gut in die neue Woche. Das ist nun aber wirklich sehr, sehr klassische SPD, also im Prinzip Brot und Butter Themen. Das war natürlich ein Versprecher. Ich meine der FDP mach einfach mal bei dem, was danach kommt, das Ganze ja schneiden.