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[00:00:05]

Herzlich willkommen so was jetzt dem Nachrichtenportal Podcast von Zeit ONLINE am Mittwoch, den 26. August. Ich bin Moses. Fände schön, dass Sie dabei sind. Mein erstes Thema heute ist ein Mensch in Hongkong, der sich offenbar zum zweiten Mal mit Covic angesteckt hat. Und dann spreche ich noch darüber, wie ostdeutsche Städte und Regionen Menschen motivieren, zurückzukehren. Jetzt kommen aber erst mal die Nachrichten.

[00:00:27]

Ich bin Christin der Felchen. Guten Morgen, das Kurzarbeitergeld soll wegen der Coruna Krise bis Ende nächsten Jahres verlängert werden. Darauf hat sich die große Koalition gestern nach langen Verhandlungen geeinigt. Coruna geht in die nächste Runde, die Regierung auch, sagt der CSU-Chef Markus Söder dazu.

[00:00:45]

Wenn ein Unternehmen wegen der Pandemie nicht mehr genügend Aufträge hat, können Arbeitnehmer dann bis zu 24 Monate weniger oder gar nicht mehr arbeiten und dabei bis zu 80 Prozent ihres bisherigen Lohns bekommen. Außerdem soll die Bundesagentur für Arbeit betrieben, die bis Ende diesen Jahres Kurzarbeit eingeführt haben, in der ersten Jahreshälfte 2021 die Sozialbeiträge erstatten. Im Mai gab es 6,7 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Mit der Maßnahme sollen Massenentlassungen verhindert werden. 709 Abgeordnete hat der Bundestag momentan. Mit 111 überhang und Ausgleichsmandate sind das so viele wie nie zuvor.

[00:01:26]

Das ist teuer und beeinträchtigt die Arbeitsfähigkeit des Parlaments. Damit der Bundestag bei der Wahl in einem Jahr nicht noch weiter wächst, haben sich Union und SPD auf eine Wahlrechtsreform geeinigt. Bei der Wahl nächstes Jahr sollen überhangmandate mit ihren Listen Mandaten verrechnet werden. Die richtige Reform greift dann aber erst 2025. Dann soll die Zahl der Wahlkreise verringert werden. Jetzt muss die Koalition noch die Opposition einbinden. Denn Wahlrechts Fragen werden üblicherweise mit großer Mehrheit beschlossen. Redaktionsschluss für diesen Podcast ist fünf Uhr.

[00:02:05]

Es ist ja schon befürchtet worden und die Befürchtung scheint sich jetzt zu bewahrheiten. Wer einmal Covic 19 hatte, ist nicht davor gefeit, sich erneut mit dem Virus anzustecken. Das haben Forscher von der University of Hongkong herausgefunden. Wer uns regelmäßig hört, ahnt vielleicht schon, wer jetzt kommt. Das ist natürlich ein Thema für meinen Kollegen Jakob Simak aus.

[00:02:24]

Zeit ONLINE Hallo Jacob, hallo Moses, was weißt du über den aktuellen Fall aus Hongkong?

[00:02:30]

Ich wüsste gerne mehr tatsächlich, weil möglicherweise in der Zeit zwischen Dwyer aufzeichnen und dem Erscheinen des Podcasts quasi die Publikation dazu erscheinen wird. Bisher gibt es eine Pressemitteilung und ein, zwei Grafiken, die kursieren. Und Leitz. In der Pressemitteilung wird kolportiert, dass ein Anfang 30 jähriger, der sich vor rund viereinhalb Monaten das erste Mal angesteckt hat, mit dem neuen Coronavirus sich jetzt bei einer Europa-Reise nochmal angesteckt hat. Und nachgewiesen haben die Forscher, dass, indem sie quasi die Genome der beiden Viren verglichen haben.

[00:03:08]

Und da gab es so viele Unterschiede, dass man gedacht hat Okay, das Virus hat es nicht im Körper gewesen, die ganze Zeit, sondern das muss sich jetzt tatsächlich um eine neue Infektion handeln.

[00:03:18]

Und wie zuverlässig sind diese Erkenntnisse? Also ich würde denken, dass sie zuverlässig sind. Aber wie gesagt, man müsste jetzt die Publikation nochmal abwarten. Aber ich denke, das wird sich bewahrheiten. Es ist auch nichts, was ganz furchtbar überraschend ist, was so von Virologen und Immunologen ausgehen. Wir haben ja ein bisschen Erfahrung mit den anderen saisonalen Crooner Viren, und da hält die Immunität auch nur einen begrenzten Zeitraum. Man muss aber auch dazusagen, und das finde ich ganz interessant, weil das jetzt so sehr negativ klingt.

[00:03:48]

Der Mensch, der sich infiziert hat, hat laut dieser Pressemitteilung und den Aussagen der Forscher von der Hongkong University keine Symptome gehabt. Da ist zwar eine zweite Infektion gewesen, aber dieser Mann ist eigentlich klinisch nicht erkrankt.

[00:04:00]

Was bedeutet das denn jetzt für unseren alltäglichen Umgang miteinander und mit dem Virus? Die Idee einer Herden Immunität ist damit wahrscheinlich vom Tisch. Wenn ich das richtig verstanden habe, oder?

[00:04:09]

Das ist eine gute Frage, die ich nicht ganz genau beantworten kann. Was man so sicherlich sagen kann, ist, dass sich dadurch nicht viel ändert in unserem Alltag mit dem Virus. Es geht weiter darum, Abstand zu halten, um sich an Regeln zu halten und gewisse Risiken Situationen möglichst zu vermeiden. Was das Thema angeht, ist das interessante Frage, weil man letztlich anhand dieses Falls überhaupt nicht beantworten kann, ob jemand, der sich neu infiziert, möglicherweise viel weniger ansteckend ist.

[00:04:35]

Darauf gibt es auch Hinweise. Das wissen wir aber letztlich auch nicht ganz genau. Und dann reden wir natürlich immer von sozusagen natürlicher Immunität, also der Idee, dass sich ganz viele Menschen anstecken und dann immun werden. Und dann gibt es natürlich auch noch eine Immunität, im optimalen Fall also letztlich quasi das, was wir anstreben irgendwann einen sicheren und effektiven Impfstoff zu haben. Und dass der sozusagen eine Art von Healy letztlich in die Bevölkerung bringt. Das ist sozusagen durch eine Studie jetzt nicht vom Tisch.

[00:05:05]

Wir reden ja auch davon, dass 24 Millionen Menschen sich weltweit infiziert haben. Wir sind sechs, sieben Monate in der Pandemie, und wir haben jetzt einen einzigen Fall eine Infektion. Das muss man einfach gegeneinander halten. Ich würde das jetzt nicht überinterpretiert. Danke Jacob, sehr gerne. Und sonst so? Es ist heute genau hundert Jahre her, dass die US amerikanische Verfassung um einen wichtigen Artikel ergänzt wurde, nämlich das Frauenwahlrecht. Passend dazu hat US-Präsident Trump vor wenigen Tagen eine Frauenrechtlerin begnadigt, nämlich Susan B.

[00:05:39]

Anthony, die es vor vielen Jahren zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie bei der Präsidentschaftswahl 1872 unerlaubterweise ihre Stimme abgegeben hat. Als Vorkämpfer für die Gleichberechtigung ist Donald Trump mir während seiner bisherigen Präsidentschaft nicht unbedingt aufgefallen. Möglicherweise hat die Maßnahme, also Wahlkampf, taktische Gründe. Trump betont auch gerne, dass vor vier Jahren mehr als die Hälfte der weiblichen Wählerinnen für ihn gestimmt haben. Vielleicht will er sich diese wichtige Wählerinnen Klientel gewogen machen. In welche Richtung die Frauen in den Vereinigten Staaten dieses Jahr ihr durch die Verfassung garantiertes Wahlrecht nutzen, werden wir in gut zwei Monaten erfahren.

[00:06:20]

Ich hatte ein paar Jahre lang in Frankfurt an der Oder studiert und dort auch eine Zeitlang als Reporter gearbeitet. In der Gegend entlang der Oder habe ich immer wieder Leute getroffen, die sich unglaublich für ihre Stadt oder ihren Heimatort eingesetzt und belebt haben. Ich habe aber auch immer wieder etwas erfahren, was ich aus meiner rheinischen Heimat nicht kannte, nämlich so ein Gefühl der Leere, der spürbaren Abwesenheit von Menschen. Es ist klar Die ostdeutschen Bundesländer sind nach der Wende in den 90er Jahren regelrecht ausgeblutet, weil Millionen Menschen in den Westen gezogen sind.

[00:06:50]

Seit einigen Jahren gibt es aber immer mehr Initiativen, die sich darum bemühen, diese Leute zurückzuholen. Darüber spreche ich jetzt mit Valerie Schönemann. Sie ist Autorin im Leipziger Büro der Zeit. Valerie Hallo? Warum braucht es diese Initiativen?

[00:07:04]

Und nenn mir doch mal bitte ein, zwei Beispiele, wie du schon sagt, dass ist es so, dass nach der Wende 3,7 Millionen Menschen in den Osten verlassen haben. Also sind auch umgekehrt wieder welche gekommen. Der Nettoverlust im Osten seit dieser Zeit beträgt 1,2 Millionen. Aber wir sind 3,7 Millionen Menschen gegangen, niemand potenziell zurückholen könnte und was auch nötig ist, weil der Fachkräftemangel mittlerweile in Ostdeutschland massiv ist. Brandenburg geht ziemlich voran mit dem Rückkehrer Netzwerk ankommen. Brandenburg, was ein landesweites Netzwerk ist.

[00:07:37]

Aber auch in anderen Bundesländern wurde dieses Potenzial erkannt. Wohl eine der bekanntesten Initiativen, die heißt Comeback, Elbe-Elster und Finsterwalde. Macht Ihre Arbeit seit 2000 und elf. Und die sind da. Die Ansprechpersonen die erste für alle, die irgendwie interessiert sind. Die können da anrufen, können fragen wie Haus, wo kriege ich ein Haus? Wie teuer ist die Miete? Gibt es ein Yoga Studio und so eine Sachen? Das ist, glaube ich, total wichtig für die Leute, die mal diesen Gedanken überhaupt haben, dass sie so ein Anlaufpunkt haben.

[00:08:09]

Das kann man jetzt nicht allein den Rückkehr Initiativen verdanken. Die sind ein ganz, ganz wichtiger Bestandteil in diesem Prozess. Aber ich glaube, die Leute haben auch von sich Lust zurückzukehren in den Osten.

[00:08:22]

Wer sind denn die Menschen, die sich da melden und die dann teilweise zurückkommen? Also die Leute, die sich bei diesen Rückkehr Initiativen melden? Das sind ganz auf die, die jetzt darüber nachdenken, eine Familie zu gründen, und die dann eben vielleicht in den Westen gegangen sind, um dort zu studieren oder ihre Ausbildung zu machen. Und wenn dann in die Familienplanung geht, zurückkehren wollen. Und das ist auch das Interessante. Es sind halt nicht die Gescheiterten irgendwie, die da zurückkehren, sondern es sind erfolgreiche Menschen, die dann auch ein Know how mit den Osten bringen, was total wichtig ist.

[00:08:54]

Es gibt zum Beispiel ganz viele Gründer Gründe, sondern die zurückkommen. Also die Initiativen, mit denen ich jetzt zuletzt gesprochen habe. Das sind alles auch selbst Rückkehrer, also Leute, die irgendwie so gelernt haben, wie man eben ein Netzwerk, eine Initiative gründen kann, wo man Fördergelder beantragt und so weiter. Dann sind es aber auch ausgebildete und studierte Fachkräfte. Und zwar auch in Branchen, die irgendwie fehlen. Matty Bereich in Erziehung und Pflege, Uni und so weiter.

[00:09:19]

Und was genau sind die Gründe, dass sie zurückkommen? Genau.

[00:09:21]

Es, diese günstigen Mieten, das sind die Baugrundstücke, die man hier noch erwerben kann. Es sind die Kita-Plätze, die es hier gibt, es schon, sagte die Familienplanung. Ist der Punkt, wo die Menschen zurückkommen. Es ist auch manchmal, dass die hier ein Haus von Oma steht, was man dann erbt. Und natürlich ist es ganz wichtig, dass Familien, Freunde, Freundinnen, Netz.

[00:09:44]

Sind die Probleme des Ostens damit gelöst? Wenn wir nur lange genug warten und die Initiativen machen, lassen Ihnen vielleicht da oder dort ein bisschen Fördergeld überweisen?

[00:09:53]

Nein, weil die Millionen gingen. Die sind eben nicht durch diese paar hundert Leute, die da zurückkommen. Pro Jahr sind die nicht ausgeglichen. Also im Osten leben gerade mal kurz gesagt zu haben, so viele Menschen wie 1905, und im Westen leben so viele wie noch nie. Ganz wichtig ist natürlich irgendwie auch bei so etwas. Um die Probleme des Ostens zu lösen, sind viele Sachen, die auch irgendwie im Westen relevant sind, ja sowas wie Infrastrukturausbau, Digitalisierung.

[00:10:17]

Wir haben jetzt gerade in der Coruna Zeit gesehen, wie gut Homeoffice funktioniert. Das heißt, wenn man es mit der Digitalisierung wirklich mal sehr gut hinbekommt, dann würden auch noch mehr Menschen zurückkehren oder auch zuziehen aus anderen Regionen, weil sie dann beispielsweise auch in Großstädten arbeiten können. Aber auf dem Land leben können. Was mir eine Frau vom Comeback Elbe-Elster erzählte von der Initiative, die ich eingangs erwähnt habe, dass man beobachten kann, sobald auch irgendwo eine neue Funkstation aufmacht, steigen bei ihr die Nachfragen nach Wohneigentum.

[00:10:49]

Das ist ja ganz interessant. Da sieht man ja, was die Leute wollen. Danke Valerie, danke dir!

[00:10:54]

Und wer sich tiefer mit Ost-Deutschland auseinandersetzen will, dem lege ich jetzt noch schnell valérys Buch ans Herz, das vor ein paar Monaten erschienen ist. Was heißt Ost? Bewusstsein? Warum nach der Kinder für den Osten streiten und was das für die deutsche Einheit bedeutet, kostet 16 Euro. Das war was jetzt, zumindest für den Moment. Ich bin aber auch heute Nachmittag schon wieder dran mit dem Update. Das geht um 17 Uhr online. Bis dahin erreichen Sie mich da was jetzt?

[00:11:18]

Zeit.de, wenn Sie morgen? Valeri Ich träume ja immer mal wieder von einer Rückkehr nach Köln. Bist du selber auch schon mal irgendwo hin zurückgekehrt? Ja, ich bin nach Berlin zurückgekehrt. Ich habe in München studiert, für anderthalb Jahre in der Stadt. Aber ich bin dann trotzdem sehr gern wieder nach Berlin zurückgekommen. Aber nach Ost-Berlin?

[00:11:42]

Nein, tatsächlich wohne ich in Westberlin. Eigentlich passt das gar nicht in die Geschichte.