Transcribe your podcast
[00:00:01]

Shteyngart Morning Briefing der Podcasts. Einen schönen guten Morgen allerseits! Mein Name ist Gabor Steingart, und wir starten jetzt gemeinsam in diesen neuen Sommertag. Heute ist Mittwoch, der 19. August. Das unschlagbare Verkaufsargument für den VW-Käfer lautete ja, dass dieser Wagen läuft und läuft und läuft und läuft. Und dann lief es Anfang der siebziger Jahre plötzlich doch nicht mehr. Der Käfer war zweckmäßig, aber ein Spaß. Mobil war er nun wirklich nicht. Urlaubsreisen mit mehr als zwei Personen, der Alptraum.

[00:00:49]

Innovation? Fehlanzeige. Und der Konzern schlingert plötzlich. Die Marktführerschaft ging verloren an Opel. Dazu kam dann noch die ölkrise. Der heutige Vorstandschef Herbert Diess guckte auf einer internationalen Automesse.

[00:01:06]

Ich glaube, es war im vergangenen Jahr noch einmal kritisch auf diese für den Konzern so schwierige Zeit radikal economic Performance. Der Golf wurde zum neuen Heilsbringer für den Konzern. Erfolgsmodell Kassenschlager. Da kamen Wolfsburg endlich wieder Freude auf.

[00:01:44]

Die Limousine mit zwei oder vier Türen und großer Heckklappe vorderradantrieb Erprobungen mit aussergewöhnlicher Kilometerleistung wie kaum jemals zuvor.

[00:01:56]

Der neue, kompakte VW. Das Auto, das Dania einer kompletten Generation der Generation Golf ihren Namen gab, führte fortan in Europa und zwei Jahrzehnte lang alle Verkaufs Statistiken an. Es war fast schon langweilig, muss man sagen, immer dieser Golf und dann der neue Golf und dann der neue neue Golf. Und so ging das immer weiter.

[00:02:20]

Bis jetzt. Der Golf muss nun seinen Spitzenplatz abgeben. Eine 45 jährige Erfolgstrainer ist plötzlich gerissen, und der neue Führer unter den Kleinwagen heißt Clio. Er stammt aus Frankreich, aus dem Hause Renault. Manche sagen, der Vergleich Clio gegen Golf ist nun wirklich unfair. Der Clio sei doch gar kein Auto. Aber die Wahrheit ist Die Welt hat auf den Clio gar nicht gewartet. Aber der neue Golf VIII treibt die Käufer geradezu außer Landes. Clio kaufen ist ein Akt der Notwehr geworden.

[00:02:58]

Warum? Weil VW nicht in der Lage ist, ein Fahrzeug ohne Software Probleme auszuliefern. Selbst mit Software Problem war und ist das Fahrzeug in vielen Verkaufsorder gar nicht zu erwerben. Statt der geplanten hunderttausend Modelle wurden in Wolfsburg im vergangenen Jahr zwar 19 nur acht tausend neun hundert zwei und dreißig gebaut, also mehr als 90000 Autos fehlten den Händlern, und die, die man kaufen konnte, quälten das Publikum. Immer wieder gab es neue Rückrufaktionen. Manche VW-Kunden haben das WERKStadt Personal häufiger gesehen als ihre Familie.

[00:03:41]

Der VW Betriebsrat wusste natürlich sofort, wer schuld war. Die da oben übereifrige Vorstände wollen zu viel Technik in das Auto stopften und sind damit gescheitert, hieß es aus dem Munde von Bernd Osterloh, dem Ersatzes Sheriff von Wolfsburg. Der Werbeslogan zum Golf 1974. Vielleicht erinnern Sie sich noch Der hieß Auto Motor und Spaß. Heute müsste es heißen Auto motor und Verzweiflung. Aber vielleicht kommt ja das nächste Nummer eins Auto im Jahr 20 21. Dann doch wieder aus Deutschland.

[00:04:21]

In Brandenburg wird kräftig gebaut und gebuddelt. Die neue Tesla Fabrik müsste doch bald fertig sein. Unsere weiteren Themen heute mit dem Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung, Erich Guyer, spreche ich gleich über die Tugendwächter in den Medien und die Verhärtungen an der Meinungs Front.

[00:04:44]

Von daher ist es schon der verbalen Propaganda zu gewaltsamen Attacken gegen Andersdenkende eben nur ein sehr, sehr kurzer Weg.

[00:04:55]

Aus New York berichtet unsere Börsen Reporterin Sophie Schimanski über einen fast hundertprozentigen Zuwachs bei Walmart. Wir fragen uns, wo die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner eigentlich steckt, und wir hören, wie Amerika um einen sehr besonderen Feiertag mit sich selber ringt. Es gibt eine große Koalition, die von Obama bis Coca-Cola reicht. In Deutschland darf man fast alles sagen, zumindest offiziell. Aber der Preis für den Gebrauch der Meinungsfreiheit, der steigt.

[00:05:36]

Denn der Andersdenkende wird für seine Andersartigkeit nicht gelobt, sondern verspottet, beleidigt und in jüngster Zeit gerne auch ausgeladen. Und wenn er bechert, wird er dann auch noch tätlich angegriffen? Meinungsfreiheit ist ein Recht, aber ein Spaß ist sie derzeit nicht. Die Kabarettistin Lisa Eckhart weiß, was hier gemeint ist. Die österreicherin wurde erst kürzlich von einem Veranstalter ausgeladen. Denn es gab Proteste, Proteste gegen den Auftritt der Künstlerin, weil Lisa Eckhart zwar komisch ist, aber in ihrem komisch sein antisemitische Klischees bedient.

[00:06:19]

Polanski, geborene Königsberg Finden Sie dieses Mito antisemitisch?

[00:06:30]

Es ist ja wohl nur gut und recht, wenn wir den Juden jetzt gestatten zugreifen. Mit Geld ist ja nichts gut zu machen. Ich meine den Juden Reparationen schon sagen, dass sie wie Didi Mateschitz seinen Red Bull auszugeben.

[00:06:45]

Auch die ZDF Journalistin Dunja Hayali hat diesmal politisch nur andersherum die Grenzen der Meinungsfreiheit erfahren erfahren müssen. Denn sie musste den Dreh auf einer Demo von Corona Skeptikern abbrechen, weil man ihr Verbal und ihrem Team auch sonst zu nah wäre.

[00:07:10]

Das sagt jetzt der Sicherheitsmann Wir sind ja nicht ohne Abbruch des Drehs zu gefährlich. Alter Schwede, das ist Deutschland 2020.

[00:07:20]

Der Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung, Eric Goya, hat sich mit diesen Ereignissen beschäftigt. In seiner Zeitung verfasste er auf Seite eins einen großflächig angelegten, einen flammenden Artikel gegen die neuen Tugendwächter. Darin warnt er vor einer gesinnungs Polizei, die von links und von rechts ausrückt und aus der Mitte der Gesellschaft mächtig einheits. Das interessiert mich. Und Sie vielleicht doch auch. Hören wir doch mal, was dieser Eric Goya, der für die Entsetzte als Korrespondent schon in der DDR, in Israel und in Moskau unterwegs war.

[00:07:58]

Was der uns zu sagen hat. Einen schönen guten Morgen in die Schweiz! Hallo Eric, nuja, guten Tag Herr Steingart, Teil unserer publizistischen Mitstreiter wehrt sich ja gegen die Meinung anderer mit eher abschneide und übler Nachrede. Sie skizzieren das? Egoyan Warum ist das so? Was ist der Kern vom Kern des Motivs?

[00:08:23]

Ich glaube, in den Nullerjahren und bis weit nach dem Jahr 2010 war die öffentliche Meinung in Deutschland relativ homogen. Sie fanden auch den Bundestag, ganz wenige Positionen, die deutlich abwichen, allenfalls bei der Linkspartei. Aber sie fanden zum Beispiel niemanden, der noch für die Atomkraft gewesen wäre. Da lassen sich auch noch andere Beispiele finden. Unterdessen ist das alles viel, viel komplizierter geworden. In Deutschland gibt es die AfD. Dann haben wir alle den unbeschreiblichen Herrn Trump.

[00:09:06]

Plötzlich ist man mit Meinungen konfrontiert, die so gar nicht den eigenen entsprechen, die man als moralisch problematisch abqualifiziert, die als nicht akzeptabel gelten. Und dann will man sich abgrenzen, und das ist dieses Phänomen der Tugendwächter.

[00:09:26]

Das heißt aber doch Ein Teil der Medien oder? Wir insgesamt als Berufsstand entfernen uns von den Bürgerinnen und Bürgern, die tatsächlich so reden wollen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und nicht so reden wollen, wie es in einer Gebrauchsanweisung für die moderne, gender gerechte und auch ansonsten durchgestylte Sprache entspricht.

[00:09:48]

Das glaube ich auch. Nur eben das ist ein Phänomen, das ja schon lange beschrieben wurde. Mit dem Begriff der Schweigespirale. Diejenigen, die laut sind, bestimmen tendenziell den Diskurs, und die anderen ziehen sich zurück, sind schnell einmal angewidert und sagen sich Da mache ich gar nicht mit. Mir ging es ja zum Beispiel sehr darum, das Prinzip der Meinungsfreiheit zu verteidigen, und zwar für alle, und zwar unabhängig davon, ob ich diese Meinung teile oder nicht.

[00:10:30]

Und bei einigen der Leser ging das gründlich schief. Ich arbeitete da mit verschiedenen Beispielen, unter anderem mit der Kabarettistin Lisa Eckhart, die als eher konservativ gilt, und mit der ZDF Journalistin Dunja Hayali, die als eher links gilt. Die eine wurde ausgeladen, die andere wurde so lange bei einer Demo mit Sprechchören traktiert, bis sie dann mal entnervt ihr Equipment einpackt. Und viele sagten dann Ja. Lisa Eckert ist ganz toll, aber Dunja Hayali ist ganz furchtbar.

[00:11:09]

Oder umgekehrt. Also, es gibt eine mindestens lautstarke Minderheit, die sich mit einzelnen Positionen total identifiziert und es keinen Raum mehr für den Zweifel, für die Skepsis, für das Sich in Frage stellen lässt. Und ich denke, das ist die Aufgabe von uns allen, die das nicht so sehen, dass wir uns da grundsätzlich dagegen wehren. Und das heißt eben auch gerade die Meinungsfreiheit derer verteidigen, deren politische Positionen wir nicht teilen.

[00:11:45]

Wenn wir auf die vielen Anschläge in Deutschland auf Politiker schauen, Ermordungen, aber tatsächlich tätliche Angriffe, die stark zugenommen haben, sagt das Bundeskriminalamt. Und die Statistiken weisen das doch sehr deutlich aus, und zwar auf allen politischen Seiten. Das reicht dann von Politikern der AfD bis zu Cem özdemir von den Grünen. Ist das schon der kleine, grausame Bruder dieses sprach Terrors?

[00:12:12]

Ja, ich denke schon, dass es immer darum geht, irgendwann aufzuhören mit dem, was die einen als Gelaber oder Latsch, Demos oder eben alle anderen Formen des zivilisierten Diskurses bezeichnen und verlangen. Jetzt muss gehandelt werden. Terrorismus ist nach einer Definition die Propaganda der Tat, und von daher ist es von der verbalen Propaganda zur Propaganda der Tat, zu gewaltsamen Aktionen gegen Andersdenkende eben nur ein sehr, sehr kurzer Weg.

[00:12:54]

Und dann gibts noch was dazwischen. Sie haben die Schweigespirale erwähnt. Thea Dorn hat neulich in einem interessanten Aufsatz für die Zeit geschrieben. Zwischen diesen polarisierten Seiten Menschen sind sie schreibt, die lebendigen Leibes erstarren, weil ihnen von allen Seiten eingeimpft wird, sich selbst und den Rest der Welt wie rohe Eier zu behandeln, und diese Erstarrung in der Mitte der Gesellschaft scheint mir auch ein Phänomen zu sein, das uns als Publizisten, als Medien entfremdet von einem Großteil der Menschen, die einfach nur erstarrt.

[00:13:28]

Ob dieses merkwürdige Treiben an den Rändern schauen?

[00:13:32]

Da haben sie völlig recht. Das Problem ist allerdings, dass viele Journalisten ja eigentlich nicht versuchen, die Sprachlosigkeit oder die Erstarrung in der Mitte aufzubrechen, sondern selber noch an der Polarisierung mitwirken. Aber ich glaube, dass der Beruf des Journalisten im Moment eigentlich sehr stark. Die Mitte zu verteidigen und eben nicht das Laute, sondern eher das Leisere zu verteidigen beziehungsweise zu versuchen, möglichst vielen unterschiedlichen Positionen auch Raum zu geben. Denn das gehört ja dazu. Ich will jetzt hier kein Plädoyer für die Langeweile halten.

[00:14:22]

Ich glaube, Sie meinen ja auch das Stichwort gar nicht Langeweile, sondern Gelassenheit ist eigentlich das Wort, das Sie gemeint haben Gelassenheit gegenüber denen, die polarisieren und innen angreifen.

[00:14:33]

Gelassenheit? Ja, und ich hoffe, dass die Gelassenheit am Ende des Tages nicht langweilig ist. Aber eben nicht nur Gelassenheit, sondern auch beherzigen wir doch ganz einfach die Regeln unseres Handwerks. Sind wir gute Handwerker in dem Sinne, dass wir nicht immer auf die maximale Provokation abzielen? Und das fällt manchen immer schwerer. Auch bei Personen, die mir selber nicht zu sagen wie Donald Trump. Aber ich glaube, der amerikanische Präsident hat einen anderen Umgang verdient, als ihn als einen Halsabschneider auf einem Titelbild zu zeigen, der irgendwie mit einem blutigen Messer in der Hand dasteht.

[00:15:23]

Sie meinen den Spiegel-Titel über Donald Trump vor einiger Zeit? Diesen meine ich. Das ist genau so eine dieser Zuspitzungen, die wenig dazu beitragen, den Diskurs weiterzubringen oder unser Verständnis von der amerikanischen Politik. Das soll sie ja am Schluss immer das Ziel sein, dass wir versuchen, mehr Verständnis zu erzeugen und weniger Verwirrung.

[00:15:50]

Was machen wir denn, wenn wir beide oder jeder Einzelne für sich feststellt, dass er dazugelernt hat? Dass in diesem Diskurs Dinge aufgetaucht sind, die uns selber zur Korrektur zwingen? Gehen wir davon aus, dass jemand das Klima und seinen Wandel unterschätzt hat. Und heute, sagt Baldauf. Da hab ich meine Meinung zu korrigieren. Gehen wir davon aus, dass bei dem Thema Flüchtlinge, auch weil es die AfD stark spielt und trotzdem ein Kern von Wahrheit dabei ist, dass wir hier als Gesellschaft ein Problem haben, und sei es ein Integrationsproblem.

[00:16:23]

Was macht man, wenn man selbst? Naja, ich sage jetzt mal Lernerfolge zu verzeichnen hat. Gibt man die dann öffentlich zu? Haben wir vielleicht einen Mangel daran, dass wir solche Lernerfolge nicht zugeben wollen, weil wir recht haben wollen?

[00:16:36]

Niemand ist noch furchtbarer, als der seit 30 Jahren immer seiner Meinung ist. Wir müssen uns doch von Zeit zu Zeit korrigieren, weil wir doch auf ganz viele Fragen nicht von vornherein die richtige Antwort hatten. Und vielleicht ist es für uns Journalisten insofern etwas einfacher, weil wir alle, wenn wir alte Artikel von uns lesen, immer mal wieder eingestehen müssen, dass das Unsinn war oder dass wir uns geirrt haben. In beiden Fällen war es wichtig, dass sich die öffentlichkeit korrigiert, und vielleicht bin ich ein rettungslos Optimist.

[00:17:19]

Aber ich glaube, in beiden Fällen zeigt es sich doch, dass es zu Korrekturen gekommen ist. Ich bin da optimistisch, dass das, was wir machen, dann dennoch eine positive Wirkung haben, weil das ist mir ganz wichtig. Ich glaube, diejenigen, die keine radikalen Positionen haben und die die Polarisierung nicht wollen, die sind eindeutig in der Mehrheit. Wo war denn Ihr Guyer?

[00:17:46]

Granaten, Fehler in Ihrem Journalisten leben? Ist da irgendwas, wo sie sich verrannt, verhauen haben und wo Sie sagen? Hoffentlich liest das keiner nach?

[00:17:55]

Ja, da gibt es sicherlich viele Dinge von Einschätzungen. Politik und Handeln von Jelzin, wo ich zeitweise noch Korrespondent in Russland, habe ich manchmal Erratische etwas zu positiv eingeschätzt. Das ist jetzt ein Fehler, der mir irgendwie nachgeht. Und etwas anderes. Ich habe die Agenda zwanzig, zehn von Gerhard Schröder in Ihrer Bedeutung am Anfang auch unterschätzt. Ich habe gedacht, es ist zu wenig, es kommt zu spät. Es hat keine Auswirkungen. Und da muss ich dann sagen Doch, es hatte ganz erhebliche Auswirkungen.

[00:18:44]

Ich hätte da am Anfang ein bisschen weniger unwirsch sein sollen mit dem deutschen Kanzler.

[00:18:52]

Also ein bisschen weniger unwirsch, mehr Gelassenheit, Optimismus, die Stichworte, mit denen wir aus diesem Gespräch rausgehen. Ich bedanke mich bei Eric Guyer für diese kleine Debatte. Ich danke Ihnen.

[00:19:07]

Alle reden über Weißrussland. Zu Recht? Die Menschenrechtslage in Minsk und anderswo dort ist katastrophal. Auch von der Bundesregierung wird erwartet, dass sie Haltung zeigen. Gleichgültigkeit tötet, das wissen wir. Mein Kollege, der stellvertretende Chefredakteur unserer neuen Medien Plattform Gordo Pinky, hat sich gestern aufgemacht, und zwar alleine auf eigene Faust aufgemacht nach Minsk. Er will rauskriegen, wie es der Opposition dort geht und ob dort tatsächlich ein Umsturz in der Luft liegt. Gordon steckt im Moment in der Transits Zelle auf dem Flughafen von Minsk.

[00:19:46]

Die Sicherheitskräfte sind erkennbar wachsam. Telefonieren mit ihm war nicht möglich. Aber Gordon hat uns alle Sprachnachrichten zukommen lassen.

[00:19:57]

Es begann alles bei der Passkontrolle am Dienstagnachmittag mit vielen Fragen von Männern in grünen Uniformen, die mich hier am Flughafen von Minsk aufgehalten haben. Und nach langem Warten führten sie mich dann wortlos in einen kargen Raum im Transitbereich des Flughafens. Und da sitze ich jetzt gemeinsam mit. Mittlerweile würde ich sagen über 100 anderen Personen, darunter französische und US-Journalisten. Es gibt hier zwei kleine Betten, ansonsten karge Stühle. Unsere Pässe werden einbehalten. Wenige Kilometer von hier entfernt marschieren die Menschen von Minsk durch die Straßen und kämpfen für Freiheit.

[00:20:33]

Und was ich hier am Flughafen erlebe, ist im Grunde das verzweifelte Aufbegehren eines diktatorischen Regimes, diesen Kampf für Freiheit und Demokratie zu unterdrücken und jede freie Berichterstattung zu verhindern. Gegen Mittag werde ich wahrscheinlich diesen traurigen Raum verlassen können und wieder nach Berlin fliegen. Aber in diesen Tagen ist wirklich vieles, vieles ungewiss. In Belarus.

[00:20:58]

Und was war heute Nacht an der Wall Street los? Die Börse kann zutiefst menschlich sein. Sie hasst böse überraschungen und sie freut sich, wenn es tolle überraschungen gibt. So eine tolle überraschung gabs jetzt für die Anleger von Walmart. Darüber spreche ich mit unserer Reporterin in New York, mit Sophie Schimanski. Einen wunderschönen guten Morgen sowie einen schönen Guten Morgen.

[00:21:23]

Walmart zweites Quartal so viel lief offenbar ja hervorragend. 97 Prozent Zuwachs im Online-Handel. Hat Walmart damit Corona einfach hinter sich gelassen?

[00:21:35]

Nee, das wäre jetzt ein bisschen eilig. Denn dazu müsste man wissen, dass die Amerikaner bald ihr Konjunkturpaket bekommen. Vor allem natürlich die Checks und ihr extra Arbeitslosengeld von 300 Dollar die Woche. Und das wäre ja auch nur noch die Hälfte von dem, was sie im zweiten Quartal bekommen haben. Sprich Die Amerikaner haben in Zukunft weniger nicht mehr Geld zur Verfügung. Und das Unternehmen selbst hat auch keinen Ausblick gegeben, weil es eben noch zu viel Unsicherheit gibt. Vor allem auch, inwiefern es diesen Stimulus für Konsumenten geben wird.

[00:22:08]

Das hat sie gestern gesagt.

[00:22:15]

Es ist sehr stark, aber bei den Analysten herrscht übrigends Optimismus.

[00:22:28]

Das durchschnittliche Rating ist ein Kauf rating, was geht eigentlich gar nicht?

[00:22:39]

Das Containern in Deutschland offiziell als Diebstahl betrachtet wird. Das hat das Bundesverfassungsgericht gestern noch einmal bestätigt. Containern bedeutet, nachts an die Abfallcontainer der Supermärkte zu gehen und sich daraus Essen zu entnehmen. Essen, das eigentlich für die Müllhalde geplant war.

[00:23:01]

Jogurt, Bananen, Gemüse alles, was im Laden, weil es nicht mehr so toll aussieht, auch nicht mehr angeboten werden soll.

[00:23:09]

Containern klingt für mich nach einer schlüssigen Alternative zur Lebensmittel Verschwendung. Aber die Rechtslage ist zumindest hier in Deutschland sehr eindeutig.

[00:23:20]

Die Satiriker vom Ballett, so heißt diese Komikern Truppe, haben darüber unlängst ein schönes Video gedreht, indem sie einen Sondereinsatzkommando der Polizei auf einem Supermarkt parkplatz. Andere. Containern ist eine Straftat. So ein Quatsch, der liegt im Müll, sie begehen eine Straftat. Nach Kohlrabi. Findet ihr es besser, Essen verrotten zu lassen, aus dem Müll zu retten? Lassen Sie den Kohlrabi frei, Er gehört dem Supermarkt.

[00:24:01]

Und wie geht die Geschichte aus? Der Kohlrabi wandert wieder in den Müll und das wird auch in Zukunft in Deutschland die gängige Praxis bleiben.

[00:24:11]

Der Gesetzgeber muss, wenn er das ändern will, an das Thema ran.

[00:24:16]

Frau Klöckner, Sie sind gefordert, gucken während der Schnelle doch nur mal gemeinsam schnell über den Zaun zu unseren Nachbarn nach Frankreich. Wenn die nämlich nicht gerade den Clio bauen, dann machen sie ganz vernünftige Sachen. Dort ist es den Supermärkten unter Androhung hoher Strafen verboten, genießbare Lebensmittel einfach wegzuschmeißen. Stattdessen muss in Frankreich der Lebensmittelhandel an Bedürftige spenden. Das ist mal reale Realpolitik von Menschen für Menschen. Kohlrabi für alle. Was hatte ich heute Morgen wirklich überrascht? Dass die USA sich doch tatsächlich Gedanken darüber machen, wie man faire und für alle zugängliche Wahlen durchführt.

[00:25:09]

Der Hintergrund dieser Gedanken Naja, dort wird aus Tradition an einem ganz normalen Werktag gewählt. Immer dienstags. Wir Deutschen können uns ja am Wahlsonntag in Ruhe dieser wichtigen Bürgerpflicht hingeben schlafen, wählen, brunchen. Aber die Durchschnittsamerikaner und der Durchschnittsamerikaner müssen zwischen drei und vier Job noch schnell zum Wahllokal flitzen, um den dortigen Automaten zu reparieren. Viele schaffen das nicht. Darum hat neulich schon Barack Obama gefordert Mach doch den Wahltag wie in Deutschland und anderswo zum freien Tag für alle.

[00:26:19]

Aktuell läuft eine Kampagne auch in der amerikanischen Wirtschaft Make time to boat schafft doch Zeit zum Wählen gehen. Unternehmen werden aufgefordert, ihren Arbeitnehmern am dritten November frei zu geben, damit sie im Wahllokal dann die ära Trump verlängern oder vielleicht auch beenden können.

[00:26:41]

Und eine Firma, die da besonders auffällt, und zwar positiv auffällt, ist Coca-Cola.

[00:26:47]

Der Brause Konzern gibt sein über 60000 amerikanischen Mitarbeitern am Wahltag frei. Und manch einer wird so vielleicht erstmals in seinem Leben wählen können.

[00:27:01]

Damit wird der ganz alte Coca Cola Werbe Song von Robyn Back Time zu einer kraftvollen politischen Hymne.

[00:27:42]

Ich wünsche Ihnen einen leidenschaftlichen Start in diesen neuen Tag.

[00:27:46]

Bleiben Sie mir gewogen, es grüßt Sie auf das herzlichste, Ihr Gabor Steingart.