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[00:00:01]

Steingart Morning Briefing Der Podcast. Schönen guten Morgen allerseits! Mein Name ist Chaussee SBK und wir starten jetzt gemeinsam in dieses Wochenende. Im heutigen Morning Briefing Spezial geht es um den Zustand unseres Landes schonungslos, zuversichtlich, deutlich.

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Gabor Steingart hat seine Analyse in Buchform vorgelegt. Ab heute im Buchhandel und bei Amazon. Die unbequeme Wahrheit Rede zur Lage unserer Nation.

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Er selbst nennt es eine Zumutung, aber eine notwendige Zumutung, eine Zumutung, die uns helfen soll zu verstehen, um anschließend selbst zum Unternehmer unseres Lebens zu werden. Ich möchte Sie hiermit einladen, in diese Rede hinein zu hören. Die Rede, die eher ein stilles Zwiegespräch mit Ihnen, dem Zuhörer, ist. Gabo hat mit unserem Team an Bord unseres Redaktion Schiffes der Pinie, wohin dieses Buch auch als Hörbuch produziert. Insgesamt dauert das Werk um die vier Stunden.

[00:01:16]

Einige Ausschnitte daraus hören sich hier.

[00:01:41]

Liebe Freundin, lieber Freund, entschuldige bitte, dass ich mich so unmittelbar an dich. Aber nach allem, was wir gemeinsam durchlebt und auch durchlitten haben, sind die Gefühle des Vertraut seins stärker als die der Fremdheit. Wir waren gemeinsam allein inmitten unserer Wohnquartiere hat man uns isoliert. Wir sind einander auf der Straße ausgewichen. Politisch waren wir auf stumm geschaltet. Die Staatsgewalt hielt uns zu erhöhter Reinlichkeit an Hände waschen. Dreimal Happy Birthday zu singen und den Daumen nicht vergessen.

[00:02:22]

Der Surrealismus hatte das Museum verlassen. In deinen Augen spiegeln sich die dramatischen Vorgänge einer Zeit, die jetzt für immer die unsere ist. Ich sehe dich an und erkenne mich selbst. Gerne möchte ich mit ihr sprechen, und zwar so deutlich, wie schon lange niemand mit dir gesprochen hat. Es handelt sich um eine Ruhestörung, aber eine, die uns beiden gut tun wird. Es geht darum, die Erst und Einmaligkeit dieser Ereignisse für unser Leben besser zu verstehen.

[00:02:58]

Die aufkeimende Mutlosigkeit zu bekämpfen und das Festival der Apokalypse, das Regierung und Robert-Koch-Institut in unseren Köpfen veranstaltet haben, ohne weitere Zugabe zu beenden. Zukunft ist nichts, was wir machen. Zukunft ist etwas, das überall auf der Welt entsteht und das wir zulassen müssen. Doch immer wieder gibt es in der Weltgeschichte stolze Nationen, die ihre Zukunft verpasst haben. So wie man einen Zug verpassen kann aus Unschlüssigkeit, aus Trödel. Lei, weil man abgelenkt ist, weil man in der Annahme lebt, das sei zwar ein Zug, aber noch nicht der eigene.

[00:03:51]

In so einer Nation leben wir beide, wir stehen als Gesellschaft an der Bahnsteigkante, manche versteinert, viele verbittert, noch immer erschöpft von den Erregungen Zyklen der Pandemie. Du und ich mittendrin. Eine innere Stimme spricht. Aber sie spricht undeutlich. Womöglich fehlt dem Zug der Zugführer. Die Abteile wirken verhangen, unsere Füße bleischwer. Schäme dich nicht deines Unbehagens, mein Freund, du bist nicht allein. Dieses Unbehagen ist womöglich das Wertvollste, was wir jetzt haben. Wir ahnen mehr, als wir wissen.

[00:04:34]

Unser künftiges Leben wird keine Fortsetzung des Bisherigen sein. Lass uns jetzt nicht mutlos, sondern lass uns wachsam sein. Die Welt verformt sich vor unseren Augen, ohne dass jemand mit uns darüber gesprochen hätte. Unser Gespräch benötigt nicht viel Zeit, wohl aber eine Extraportion Tapferkeit und das von uns beiden. Ich verspreche, dass ich zu dir wahrhaftig sein werde und mich nicht im Ton der Endzeit Trommler an dich wendet. Ich erspare dir die rhetorische Fürsorglichkeit einer politischen Elite, die sich in Ermangelung eigener Zukunftsentwürfe und angesichts geschrumpft Vitalität Reserven auf das Herstellen einer permanenten Gegenwart verlegt hat.

[00:05:27]

Du und ich, wir werden in Zeiten der permanenten Katastrophe von den Rettungs Politikern zuvorkommend behandelt, worüber wir uns hier nicht beschweren wollen. Erst nahm man uns wichtige Grundrechte weg. Als da wären die Gewerbefreiheit, die Bewegungsfreiheit und auch die Demonstrationsfreiheit. Man rückte unser Ferienhaus bis hinter den Horizont, sodass wir nur noch im Traum betreten konnten. Nun umschmeichelt man uns. Wir werden gelobt für das fleißige Händewaschen und das Halten der Distanz, auch unsere sorgsam unterdrückte Aufmüpfigkeit. Rechnet man uns hoch an im Angesicht der Gefahr, haben wir Bürger Laien und als folgsame Untertanen erwiesen.

[00:06:18]

Das muss gefeiert werden, und zwar schon deshalb, weil ein Regieren mit Notstand Verordnung, bei dem Parlamentarier durch Professoren eines Experten Kollektivs ersetzt worden sind, auch in Zukunft gebraucht wird. Die Tür zum autoritären Durchregieren ist geöffnet, und niemand hat jetzt die Absicht, eine Mauer zu bauen. Liebe Freundin, lieber Freund, ich möchte angesichts der Lage offen mit ihr sprechen. Auf die gespielte Anteilnahme unserer Geistlichen sollten wir diesmal verzichten. Die Priester haben nach allem, was ich im Kerzenlicht ihrer Sakristei ereignet hat, genug damit zu tun, das eigene Seelenheil zu retten.

[00:07:06]

Wenn ein Haus im Feuer steht, dann doch Ihr Gotteshaus. Von Ihnen können wir derzeit nichts lernen. Ich verspreche, dass ich mich deutlicher und auch unmittelbarer mit ihr beschäftigen werde, als Gewerkschaft und Arbeitgeberverband es je getan haben und es je tun werden. Beide schlafen im King Size Bett der Sozialpartnerschaft, wo man sich gegenseitig den Rücken krault und keine unbequemen Fragen stellt. Hier pflegt man von Kopfkissen zu Kopfkissen den wohltemperierten Ton, der nicht danach Klarheit. Wohl aber ihrer Beziehungspflege dient.

[00:07:49]

Pillau Talk nennen das die Amerikaner. Liebe Freundin, lieber Freund. Ich möchte angesichts der Lage gemeinsam mit dir an den verbotsschildern der politischen Korrektheit vorbeischauen und diese alberne Press Spanplatte vor unserem Kopf entfernen, die man uns dort genagelt hat. Sie sah schon vor der Pandemie ein wenig locker. Die Häuptlinge vom Stamm der ewig Entrüsteten, die in tiefer Gedankenlosigkeit das Alphabet der political correctness zu ihrer Muttersprache erklärt haben, können uns jetzt nicht mehr beirren. Wir rufen ihnen zu.

[00:08:32]

Entführt euch selbst, denken, befreit und neu denken, erfrischt.

[00:08:40]

Demokratie beginnt, wenn andere wollen, dass du Schweikert. Viele behaupten, diese Corona Krise werde sich als Wendepunkt der Menschheitsgeschichte erweisen. Danach werde nichts so sein wie zuvor, lautet die gebräuchliche Redewendung. In unseren Medien. Wir kennen diese journalistischen Fertigbau, Teile aus der Zeit nach den Terroranschlägen von nein. Eleven, und auch im Gefolge der Lehman-Pleite waren sie in Mode. Viele Journalisten haben sie in routinierter Gedankenlosigkeit in ihre aktuellen Texte hinein montiert. Realistischer aber ist die Annahme, dass diese Krise sich eben nicht als Wendepunkt, sondern als Beschleuniger erweist.

[00:09:59]

Unsere Demokratie war schon vorher unter Druck. Man nimmt ihr übel, dass sie langsam ist. Man wirft ihr vor, dass sie gerne zweifelt, dass jeder und jede mitreden darf und sie mit der Geschwindigkeit des Kapitalmarktes nicht Schritt halten kann. Die Demokratie wird auch jetzt nicht beseitigt, nur weiter geschliffen. Die Eliten verfolgen im stillen Einverständnis der unterschiedlichen Parteien ein ehrgeiziges Projekt Sie wollen vom Volk ihre Souveränität zurück. Der Staat ist nach Corona nicht mehr der Alte. Er hat sich selbst ermächtigt.

[00:10:44]

Er will sich spüren. Er möchte endlich wieder Herr und nichtlänger Diener sein. Die Marktwirtschaft mit ihren um sich selbst kreisenden Fixsterne von Angebot und Nachfrage war ihm seit jeher suspekt.

[00:11:02]

Immer wenn man nach diesen Sternen griff, schienen sie in einer anderen Galaxie verschwunden. Nie wusste Vater Staat, ob da ein neuer Stern aufstieg, der den Bürgern Prosperität versprach, oder ob eine Supernova mit hellem Schein ihrem Verglühen entgegen sauste. Was für die Bürger ein Leben in der Verschattung von Armut und Arbeitslosigkeit bedeuten konnte. Die Angewohnheit, den Wohlstand der eigenen Gegenwart auf Kosten anderer Menschen zu organisieren, gibt es seit je her.

[00:11:42]

Früher expandierte man mit Hilfe des Militärs in fremdes Territorium, um die Konsumwünsche der eigenen Nation zu befriedigen. Alle Staaten wussten, wie das funktioniert. Nicht durch Reden oder Majority Beschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen und Blut. So sprach Bismarck am 30. September 1962 heute. Und daran kann man den Fortschritt der Zivilisation erkennen. Heute werden die großen Menschheitsfragen weniger martialisch, aber nicht weniger effektiv entschieden. Eisen und Blut hat man durch die Notenpresse ersetzt.

[00:12:30]

Das Rattern der Notenpresse ist deutlich humaner als das Rattern der Maschinengewehre. Der künftige Mensch wird nicht erschossen, nur versklavt. Er muss nicht bluten, nur zahlen. Seine Arbeits und Steuerkraft füllt mit der Zeitverzögerung von Dekaden auch die Liquiditäts. Lücke des Jahres 2020. Die Kolonialisierung der Zukunft hat begonnen. ökonomisch erwartet uns nach der Pandemie nicht das Ende der Globalisierung, wie vielerorts jetzt prophezeit wird, und auch nicht der Zerfall Europas, sondern eine Welt der beschleunigten Digitalisierung. Corona war die Preview auf unser künftiges Leben.

[00:13:21]

Das Virus funktioniert wie ein gestrenger Lehrmeister. Es hat über Nacht das traditionelle, das analoge Leben unterbrochen. Den Kulturbetrieb, den Flugverkehr, die Sportveranstaltungen, den schulischen Präsenz, Unterricht und den stationären Einzelhandel, um meinen Freund mit herrischer Geste in die Rituale der digitalen Welt der Second Life einzuführen. Die tektonischen Erdplatten bewegen sich, die alten Verstrebungen brechen alles Ständische und Stehende verdampft, auch wenn es bald ein Impfstoff gegen Covert 19 geben dürfte. Ein Impfstoff gegen den Wandel der Welt wird es niemals geben.

[00:15:14]

Die neue Wirklichkeit teilt sich nicht mehr zuerst in Ost und West, Stadt und Land, Diktatur oder Demokratie, Plan oder Marktwirtschaft, sondern in digital und analog. Die neue Wirklichkeit beruht auf einer ökonomischen Kraft, die unsere Umwelt schont und nicht länger schändet. Die technologische Revolution, die um den Erdball fegt, ist die erste wahrhaft kosmopolitische Revolution, und eine sozialistische Erhebung ist sie auch. Denn sie enteignet die alten industriellen Eliten, schleift ihre Fürstentümer und hinterlässt deren Gefolgsleute im Gulag gestrig.

[00:16:04]

Wo sie eine Existenz jenseits des bisherigen Wohlstandes werden fristen müssen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch die Erben des Industrie. Proletariats, die den Aufstieg in Helmut Schmidts Facharbeiter Republik geschafft und dort Jahrzehnte auf dem Hochplateau von Wohlstand und Mitbestimmung verbracht haben, werden diese Revolution nicht unbeschadet überstehen. Viele sinken wieder zurück in den Zustand des Prekären. Dort, wo die Bezahlung schlecht. Das Gewerkschafts Büro geschlossen und die Aufstiegs Perspektive trübe ist. Die Umwälzung der Produktions und Lebensverhältnisse wird darin eben besteht die historische List der Pandemie von diesen bis dahin unbekannten Virus beschleunigt und zugleich verdeckt.

[00:17:04]

Die Inhaber der neuen Technik und der darauf basierenden Geschäftsmodelle erleben den Aufstieg zu den Sternen. Alle sagen, das bisher unbekannte Virus sei schuld. Aber in Wahrheit ist das Virus nur der überbringer einer Information, die von der Verwandlung der Welt erzählt. Diese Verwandlung, und das ist die erste unbequeme Wahrheit für dich mein Freund betrifft unser Leben mehr als das Virus selbst, dem wir in den vergangenen Monaten ja all unsere Aufmerksamkeit geschenkt haben. Hätten wir nicht ein Fernstudium der Virologie betrieben, sondern mit derselben Energie und für eine der computersprache interessiert oder Mandarin gelernt, wären wir für die Reise in die Neue Welt deutlich besser vorbereitet.

[00:18:02]

So aber stehen wir beide spärlich bekleidet am Bahnsteig. Der Zeitgeist verwirbelt uns das Haar. Der Zug rollt lautlos heran, und wir wissen immer noch nicht, ob wir einsteigen sollen. Eine Sitzplatzreservierung jedenfalls besitzen wir nicht. Du bist für mich der Pionier einer neuen Zeit, auch wenn du von dir selbst bescheidener denkst. Aber schon die Ernsthaftigkeit unseres Gesprächs zeigt mir, dass du deine Entscheidung getroffen hast. Aus dir wird kein guter Untertan mehr. Deine Lippen wirst du nie wieder synchron zu den Worten eines Politikers bewegen.

[00:18:46]

Du hast deinen Blick auf die Welt verändert. Du bist aus dieser existenziellen Krise als Souverän hervorgegangen.

[00:18:55]

Dein Aufstand ist ein Aufstand des Denkens, und es ist der Aufstand unserer Zeit. Es gibt für das Kommende keinen Masterplan, meinen Freund. Aber der Kern vom Kern der notwendigen Veränderung lässt sich in vier Punkten präzise beschreiben vier Punkte, die du mit deinen eigenen Ideen vervollständigen solltest. Denn ich verstehe unser Gespräch als Anstiftung zum selber Denken.

[00:19:23]

In der Summe könnten deine und meine Ideen eine Agenda des Aufbruchs bilden. Für diese Agenda des Aufbaus reicht die Zeit heute nicht mehr. Aber vielleicht könnte ich Sie inspirieren, sich das ganze Gespräch anzuhören.

[00:19:41]

Sie finden das Hörbuch bei Orderbuch und Apostolos. Vielleicht haben Sie auch Lust, mit Gabo und mir eine Fahrt durch das Regierungsviertel zu unternehmen, um über seine Thesen zu sprechen. Am Mittwoch, den 9. September, gegen 19 Uhr, geht's los. Wenn Sie Zeit haben, schreiben Sie uns eine Mail an Events ad Media Pinie. Ich wünsche Ihnen eine heilsames Wochenende.

[00:20:07]

Grüße Sie Ihre Sharky Spieker.