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[00:00:04]

Hallo und herzlich willkommen zur heutigen Folge von Handelsblatt Today. In rund 20 Minuten sprechen wir über die wichtigsten Nachrichten des Tages und darüber, was sie für die Finanzwelt bedeuten. Heute ist Freitag, der 28. August, und mein Name ist Lena Büyük.

[00:00:26]

Es ist ein harter Umbruch auf dem Immobilienmarkt. Manch einer spricht sogar von einer Revolution. Fast jeder zweite Berufstätige arbeitet in der Coruna Zeit von zuhause aus. Neben den Wohnimmobilien, deren Preise trotz der Krise weiter in die Höhe schießen, sind vom Homeoffice und anderen Konsequenzen der Pandemie auch Gewerbegebiete betroffen. Die Zukunft der Branche ist so ungewiss wie lange nicht.

[00:00:51]

Fest steht aber Die angespannte Situation hält an. Alles in allem Die Lage im Immobilienmarkt ist ernst. Und sie ist angespannt. Aber ich gebe zu bedenken Jede Krise bietet eben auch Chancen, Chancen vor allen Dingen für die Unternehmen, die innovativ sind und die sich gut an die neue Situation anpassen können.

[00:01:10]

Das war Michael Vogtländer, der Leiter des Kompetenz Felds Finanz und Immobilienmärkte am Institut der deutschen Wirtschaft. Welche Chancen das sind die Coruna für die Branche seiner Meinung nach mit sich bringt? Warum er trotz horrender Preise nicht an eine Immobilienblase glaubt und ob sich Immobilien als Geldanlage noch lohnen. Sprechen wir gleich. Im Interview mit Michael Vogtländer spreche ich vor allem über Wohnimmobilien, die immer mehr an Bedeutung gewinnen, weil durch die Pandemie immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten. Doch wo Licht ist, da ist bekanntermaßen auch Schaffen.

[00:01:43]

Bürogebäude wirken dieser Tage geradezu verwaist. Werden Sie die Krise überstehen? Und inwiefern hängt von dieser Frage die Zukunft der Banken ab? Das kläre ich am Ende der Sendung mit der Handelsblatt Immobilienexperten Kerstin Leidel.

[00:02:02]

Den Blick auf die Märkte richtet heute unser Finanz Redakteur Jakob Blume Jacob Katz Schlussbilanz ist nochmal das i-Tüpfelchen auf der ganzen Krimi Reifen Unternehmensgeschichte. Unterm Strich stehen 3,2 Milliarden Euro Schulden und nur 26 Millionen an frei verfügbaren Mitteln. Was heißt dieser Horror Nachricht jetzt für den Konzern?

[00:02:24]

Das bedeutet, dass wir jetzt alle seit der Insolvenz von Wirecard erwartet haben. Haben wir jetzt schwarz auf weiß, dass in diesem Konzern eben nie irgendwas gestimmt hat und dass alles Lug und Trug ist und dass der Kontostand so gering ist gegenüber den Schulden und die Vermögenswerte, die der Insolvenzverwalter ja aufgestellt hat, die 430 Millionen Knab betragen. Die machen einfach deutlich Das Unternehmen ist hoch verschuldet, und für die Gläubiger wird es einfach sehr, sehr wenig zu holen geben.

[00:02:54]

Was macht die Aktie darauf?

[00:02:56]

Die Aktie ist logischerweise mittlerweile ein sogenannter Penny Stock, also weniger als ein Euro wert. Das muss man sich mal vor Augen führen. Bis vor wenigen Monaten oder Wochen war die Aktie noch über hundert Euro wert. Das zeigt einfach den beispiellosen Absturz. Und ein Penny Stock ist eben sehr volatil. Da investieren jetzt nur noch Zocker, die hoffen, dass sie vielleicht noch irgendwie einen kurzfristigen Gewinn machen. Aber die Aktie ist ja mittlerweile auch aus allen Indizes herausgefallen, und niemand, der ernsthaft investiert, kauft sich noch diese Aktien.

[00:03:30]

Vielmehr dürfte Investoren dann eine andere Nachricht beschäftigen. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat nach mehr als acht Jahren überraschend seinen Rücktritt angekündigt ausgerechnet mitten in einer schweren Rezession. Jacob, wie haben denn die Märkte auf diese Nachricht reagiert?

[00:03:47]

Bisher. An den globalen Aktienmärkten hat sich das jetzt noch nicht niedergeschlagen. Aber es könnte auf jeden Fall an den währungsmarkt durchaus für Turbulenzen sorgen. Da lassen sich politische Unsicherheiten immer am ehesten ablesen. Und es kann sein, dass der Euro gegenüber dem Yen stärker wird oder der Yen gegenüber dem Euro abwertet. Einfach, weil man nicht genau weiß, was mitten in der Krise mit der japanischen Volkswirtschaft, die eine sehr, sehr wichtige Volkswirtschaft und auch ein sehr wichtiger Markt für Deutschland und Europa ist.

[00:04:20]

Was daraus wird, und das könnte für Unsicherheit an den Märkten sorgen, vielleicht auch dazu führen, dass der Euro gegenüber dem Yen stärker wird und dass deutsche Exporte in Japan teurer werden. Dass ein weiterer Belastungsfaktor für die deutsche Exportwirtschaft entstehen könnte.

[00:04:38]

Und was macht der bekannte Nikkei-Index?

[00:04:40]

HB hat er mit seiner Wirtschaftspolitik Japan über Jahre geprägt. Und dafür, dass der jetzt plötzlich zurückgetreten ist, haben die Märkte relativ verhalten reagiert. Der Nikkei notiert mit rund 1,4 Prozent derzeit im Minus. Ein eher moderates Minus gemessen daran, dass die Unsicherheit, die politische Unsicherheit, die von Japan jetzt ausgeht, doch relativ hoch ist. Ich danke dir, Jakob!

[00:05:11]

Vor dem großen Interview möchte ich Ihnen noch eine Empfehlung ans Herz legen, denn neben der Zeitung, der Website und natürlich den Podcasts hat das Handelsblatt noch andere spannende Produkte zu bieten.

[00:05:22]

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[00:05:52]

Die Immobilienpreise steigen weiter und das trotz Coruña. Mit dieser Nachricht hat das Statistische Bundesamt am Mittwoch wohl einige ökonomen überrascht. Im Vergleich zum Vorquartal sind die Preise für Wohnimmobilien um 1,4 Prozent, zum Vorjahresquartal sogar um 5,6 Prozent gestiegen. Normalerweise ist ein Grund für die hohen Preise neben den niedrigen Zinsen auch eine starke Konjunktur. Nun ist durch die Coruna Krise die Konjunktur deutlich abgeschwächt. Warum also bleibt der Immobilienmarkt davon so unbeeindruckt, dass und wie es mit dem Immobilienmarkt in Zukunft weitergeht, bespreche ich jetzt mit Michael Vogtländer, dem Leiter des Kompetenz Felds Finanz und Immobilienmärkte am Institut der deutschen Wirtschaft.

[00:06:36]

Herr Vogtländer, warum sind die Preise trotz Pandemie, trotz Wirtschaftskrise nicht gesunken?

[00:06:42]

Ein wesentlicher Grund dafür ist sicherlich, dass die Immobilienmärkte so etwas wie den sicheren Hafen darstellen für die institutionellen Investoren. Das heißt, man muss sich ja einfach fragen Wo kann man noch Geld investieren? Gewerbe Immobilienmärkte ist schwierig aufgrund der schwierigen Situation im Einzelhandel und bei Büros beispielsweise. Wir sehen viele Probleme bei Exportunternehmen, aber wir sehen nach wie vor einen großen Bedarf an Wohnimmobilien. Wohnen ist ein knappes Gut. Gerade dass der Wert des Wohnens wird nochmal deutlicher auch in der Zeit, in der Doktorand und Zeit und so scheint es das doch viele Investoren in diesen Markt gezwitschert sind und damit auch stabilisieren.

[00:07:23]

Wird sich das denn ändern, falls es eine zweite Wende geben sollte? Ich rechne ehrlich gesagt nicht damit. Erst einmal rechne ich nicht unbedingt damit, dass es noch einmal einen lock down in dieser Art und Weise gibt. Aber ich rechne auch nicht mit einem starken Einbruch des Immobilienmarktes. Wir haben lange Zeit darüber diskutiert. Ist der Markt möglicherweise überbewertet oder nicht? Tatsächlich überbewertet gewesen wäre, dann wäre jetzt sicherlich der Zeitpunkt gewesen, dass es eine ein Platzen der Blase gibt.

[00:07:49]

Das ist nicht passiert. Tatsächlich muss man sagen Die Zins Reduktion der letzten Jahre sind noch gar nicht vollumfänglich in den Preisen enthalten. Das heißt eigentlich Ohne Corona wäre sicherlich die Preisentwicklung noch ein bisschen stärker gewesen. Und von daher rechne ich jetzt auch nicht damit, dass tatsächlich die Immobilienmärkte einbrechen. Zumal ja auch die Konjunktur schon wieder in Richtung nach oben zeigt.

[00:08:12]

Sie haben jetzt, jetzt gerade und in der Vergangenheit schon ein paar Mal betont, Sie glauben nicht an eine Immobilienblase, obwohl besonders in Großstädten München die Kaufpreise für Wohnimmobilien fast unbezahlbar sind. Warum? Warum glauben Sie nicht daran?

[00:08:28]

Tatsächlich sind die Preise stark gestiegen. Das ist richtig, sind teilweise um 50, 60 Prozent oder mehr gestiegen. Aber die Zinsen sind seitdem tatsächlich noch stärker gefallen. 2010 hatten wir doch ein Zinsniveau von vier bis fünf Prozent. Jetzt liegen wir unter einem Prozent bei langfristigen Zinsen. Und wir haben eine starke Entwicklung gehabt. In der Konjunktur. Wir haben starke Lohnsteigerungen gehabt. Wir haben ein Bevölkerungswachstum in den Großstädten gehabt. Gleichzeitig ist die Bautätigkeit nicht wirklich nachgekommen. In allen Großstädten haben wir eigentlich zu wenig gebaut gegeben.

[00:09:02]

Diese starke Bevölkerungsentwicklung und all diese Faktoren sprechen tatsächlich nicht dafür, dass der Markt überbewertet ist, sondern tatsächlich Wir hätten gegeben, diese Rahmenbedingungen noch stärkere Preissteigerungen sehen können.

[00:09:15]

Wie ist denn derzeit allgemein die Stimmung am Immobilienmarkt? Sie ist sehr unterschiedlich, je nachdem, mit wem man spricht. Wohnimmobilien Markt ist die Lage natürlich sehr gut. Auch die Projektentwickler berichten davon, dass sie eigentlich kaum Probleme haben. Es gibt allenfalls vereinzelt Probleme bei Luxusimmobilien zum Beispiel, vielleicht auch im Bereich sehr teure Micro Appartements. Aber ansonsten stellen die Projekt fest, dass sie ihre Produkte auch weiter an den Mann bringen können. Größere Probleme gibt es dagegen im Büromarkt oder im Einzelhandel.

[00:09:50]

Gerade im einzelnen Markt hat man ja schon vorher auch sicherlich Probleme gehabt. Und im Büromarkt? Da ist natürlich Unsicherheit sehr groß, wie wir zukünftig arbeiten werden, wie die Balance aussieht zwischen Homeoffice und dem Büro. Aber im Wohnen Immobilienmarkt an sich. Im Großen und Ganzen ist die Lage sehr gut.

[00:10:07]

Vogtländer Ich habe zu Beginn der Folge ein Zitat von Ihnen abgespielt. Sie haben im Juni in einem Statement zum Tag der Immobilienwirtschaft gesagt, dass jede Krise auch Chancen biete. Was sind das für Chancen, die Sie da sehen?

[00:10:20]

Die Chancen sind natürlich da. Die Chancen sind für die Unternehmen da, die sich auf diese neue Situation gut einstellen. Im Immobilienmarkt haben wir die Chance, dass sich nun auch die Nachfrage etwas entzerrt. Wenn mehr Menschen zu Hause arbeiten und man seltener pendeln muss, dann ist das natürlich auch eine Chance für die Umlandgemeinden für die Umland. Städte, die jetzt vielleicht sagen Okay, wir können ein entsprechendes Warenangebot anbieten. Wir bieten trotzdem die Infrastruktur schule.. Schnelles Internet, Kultur, was auch alles dazugehört.

[00:10:54]

Aber man muss eben nicht mehr in die Großstadt so oft pendeln, und deswegen ist die Attraktivität unserer Gemeinde jetzt größer.

[00:11:03]

Umland ist ein ganz gutes Stichwort. Man sprach ja jahrelang vom Trend der Urbanisierung. Kehrt sich das jetzt um, weil die Preise in den Städten so hoch sind?

[00:11:11]

Wir haben schon vor der großen Krise gesehen, dass Leute vermehrt ins Umland gezogen sind. Und dieser Trend hat sich jetzt noch einmal gestärkt. Wir sehen tatsächlich, dass in den Umlandgemeinden zum Beispiel rings um München oder rings um Hamburg die Preise mittlerweile schneller steigen als in der Stadt selber. Ganz einfach deswegen, weil nun mehr Menschen vielleicht sagen Okay, ein Gröll, eine größere Wohnung, ein Balkon, ein zusätzliches Arbeitszimmer das sind doch Werte, die wichtiger sind vielleicht als die zentrale Lage.

[00:11:43]

Und das könnte sich durchaus so fortsetzen. Ich habe ja beschrieben durch die Möglichkeit, jetzt vermehrt zu Hause zu arbeiten, weniger Pendl Zeiten zu haben. Kann sich die Wohnungs Nachfrage etwas entzerren? Ich sehe nach wie vor. Ich sehe in den nächsten Jahren tatsächlich eine gewisse Urbanisierung oder eine Umkehrung der Urbanisierung. Aber es geht nicht zurück aufs Land. Das ist ganz klar. Es geht nicht dorthin, wo vielleicht sehr, sehr viel Platz ist, sondern es ist nach wie vor wichtig, dass Infrastruktur vorhanden ist, dass die Schulen, die Kindergärten vorhanden sind, also vielleicht eher große Chancen für Mittel und Kleinstädte.

[00:12:18]

Lassen Sie uns mal ein paar Monate Vorsprung. Sobald die Antragsflut für Insolvenzen wieder eingesetzt wird, stand jetzt Anfang 2021 sein, könnten auf der einen Seite einige Unternehmen pleitegehen. Auf der anderen Seite würden dann viele Arbeitnehmer ihren Job verlieren. Es kann also passieren, dass Baukredite in hörerzahlen nicht mehr bedient werden können. Gebäude werden in der Folge dessen nicht mehr fertig gebaut und so weiter. Was würde das für den Immobilienmarkt bedeuten?

[00:12:44]

Für den Immobilienmarkt sehe ich das nicht so gravierend an. Wir haben eigentlich ein sehr vorsichtiges Immobilien. Finanzierungssystem Die meisten Menschen müssen doch einen sehr sicheren Job oder Eigenkapital nachweisen. Das heißt, die Rückwirkungen für den Bankenmarkt wären sicherlich etwas geringer. Man hatte ja schon während des Lock Downs eigentlich vermutet, dass die Preise sinken könnten, weil eben nicht mehr so viele Menschen zur Besichtigung kommen können, weil die Unsicherheit sehr groß ist. Das ist nicht passiert. Das liegt letztlich auch daran, dass die Nachfrage so groß ist, dass die Lücke, die vielleicht gerissen wird, durch die Insolvenz sind oder den Job verlieren, dass sie schnell gefüllt wird.

[00:13:25]

Von daher sehe ich eigentlich keine großen Verwerfungen. Aber sicherlich können diese Verwerfungen im Büromarkt entstehen, beispielsweise wenn Mieter nicht mehr solvent sind, wenn Büroflächen gekündigt werden müssen oder einfach die Miete nicht mehr gezahlt werden können. Dort kann es sicherlich stärker Auswirkungen geben. Aber gerade in den guten Lagen in den Großstädten erwarte ich da eigentlich keine großen Verwerfungen.

[00:13:48]

Wechseln wir einmal die Sichtweise. Wie beeinflusst die Pandemie und die daraus folgenden Konsequenzen? Denn Unternehmen wie zum Beispiel Vonovia müssen Immobilien Dienstleister künftig umstrukturieren?

[00:14:00]

Nun ja, ein Unternehmen wie die Vonovia oder auch die Elegie oder auch andere Wohnimmobilien sind Gesellschaften. Die kommen ja relativ gut durch die Krise. Wir sehen, dass die Abschläge vorgenommen worden sind, teilweise schon wieder überkompensiert sind. Das zeigt auch, dass die Investoren relativ großes Vertrauen haben. Und auch die Miet Ausfälle sind ja durchaus überschaubar. Das heißt, diese Unternehmen werden da kaum Probleme haben. Sie haben aber natürlich andere Herausforderungen. Sie haben immer noch die Herausforderung, mit der Regulierung umzugehen.

[00:14:29]

Stichwort beispielsweise Berliner Mieten Deecke. Und Sie haben sicherlich auch die große Herausforderung, genügend energetisch zu sanieren und in alten, gerechten Umbau zu sanieren, damit die Bestände tatsächlich zukunftsfähig sind. Aber wie gesagt, die Coruña Pandemie an sich wird diese Unternehmen weniger stark treffen.

[00:14:47]

Jetzt ist Eigentum ja eine beliebte Form der Geldanlage. Welche Form lohnt sich denn jetzt und in Zukunft noch, wenn sich da was verändert im Immobilienmarkt?

[00:14:55]

Ich bin ein großer Freund des selbst genutzten Wohneigentums. Ich glaube, dass das ein wichtiger Baustein ist, um die Altersvorsorge zu stärken und die Verteilung des Vermögens etwas gleicher zu gestalten. Und im Moment ist tatsächlich der Vorteil, dass aufgrund der Zinsentwicklung viele Menschen leichter ins Wohneigentum gehen können und dort tatsächlich auch Wohnkosten sparen können im Vergleich zum Mieter. Das Problem ist nur, dass der Zugang für viele Menschen versperrt ist, weil die Erwerbs Nebenkosten sehr hoch sind. Grunderwerbssteuer, Notar, auch die Makler kosten teilweise noch, sind deutlich höher in Deutschland als in vielen anderen Ländern.

[00:15:35]

Und ich würde mir deshalb wünschen, dass tatsächlich die Politik das stärker angeht und die Erwerbs Nebenkosten Condi kontinuierlich senkt, damit tatsächlich mehr Menschen einen Zugang zum Wohneigentum haben und von dieser günstigen Zinssituation auch profitieren können.

[00:15:53]

Die neue Home Office Mentalität beeinflusst nicht nur den Wohn Immobilienmarkt, besonders Büros sind von dieser Coruna Schutzmaßnahme betroffen. Klar, wenn immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten, werden weniger Büros gebraucht. Ich habe Konstantin Kortmann, Mitglied im Strategy Board Germany des Immobilien Dienstleisters JPL, um eine Einschätzung gebeten und gefragt Wie wird sich der Immobilienmarkt entwickeln?

[00:16:18]

In der Menge erwarten wir einen moderaten Rückgang der Nachfrage nach Büroflächen. Qualitativ sind aus unserer Sicht modernere Büro und Arbeitsplatz Konzepte erforderlich, die auch das Büro als Ort der sozialen Begegnung noch stärker betonen. Zeitlich gesehen erwarten wir, dass diese Anpassungen durch das Coronavirus langfristiger Natur sind. Das gilt umso stärker, je besser remote working zur jeweiligen Branche und zur jeweiligen Unternehmenskultur passt.

[00:16:46]

Bei mir in der Leitung ist jetzt die Handelsblatt. Immobilienexperten Kerstin Leyte Kerstin Nachfragerückgang bei Büroflächen. Heißt das in der Folge, dass der Leerstand zunehmen wird?

[00:16:56]

Ich glaube, man darf dabei nicht vergessen, dass viele Mietverträge gerade im Gewerbe Immobilienbereich eine Mietdauer von zehn Jahren haben, eine Laufzeit von zehn Jahren. Das heißt, es laufen nicht alle Verträge sofort aus, und jedes Unternehmen, das umziehen will, wird das auch sofort können. Es wird vielleicht in Zukunft so sein, dass nicht so viele Interessenten für eine Immobilie dasein sind wie vorher und dass der Leerstand größer wird. Aber es gab in der Vergangenheit so ein knappes Angebot und eine so große Nachfrage, dass der Leerstand nicht dramatisch in die Höhe schießen wird.

[00:17:32]

Also heißt das, dass die Gebäude nicht einfach brachliegen werden, sondern es schon Interessenten geben wird.

[00:17:37]

Ich glaube, das Angebot ist in deutschen Großstädten so knapp, dass es sich jetzt kaum noch jemand leisten kann, eine gute Immobilie in einer guten Lage brachliegen zu lassen. Aber es wird sich vielleicht Investitionsbedarf ergeben, dass man eben in eine Immobilie investieren muss und sie modernisieren muss, um sie dann auch tatsächlich vermieten zu können, was vielleicht in der Vergangenheit nicht immer der Fall war.

[00:18:00]

Viele Brancheninsider sind sich ja sicher, dass in der Stadt ist kein Auslaufmodell. Worauf fußt denn dieser Optimismus?

[00:18:07]

Ich glaube, der Optimismus begründet sich darauf, dass einfach Menschen doch soziale Menschen sind und sich freuen, wenn sie ihre Arbeitskollegen sehen. Vielleicht nicht jeden Tag, aber dann doch ab und zu wenigstens mal, und sich deswegen dann doch ganz gerne ins Büro setzen und dort mit ihren Kollegen austauschen.

[00:18:25]

Besteht denn seitens der Unternehmen, die die Büroflächen anmieten, abgesehen von diesem sozialen Aspekt überhaupt Interesse, auf lange Sicht in die Büros zurückzukehren? Theoretisch besteht mit dem Homeoffice ja die Möglichkeit, Miete zu sparen.

[00:18:38]

Ich denke, jeder Unternehmer wird sich momentan anschauen, wie er die Folgen der Coruna Krise verkraften kann und wo er vielleicht Geld sparen kann. Und Mietkosten sind da sicherlich ein Block, die er anschaut. Aber man darf nicht vergessen, dass manche eben auch bezweifeln, ob die Produktivität tatsächlich so gut ist, wenn alle Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten, wie sie im Büro sitzen. Und man darf auch nicht vergessen, dass es vielleicht in Zukunft Mischformen geben wird, dass eben nicht jeder Arbeiter fünf Tage die Woche im Büro sitzt, aber drei Tage, und wenn er dann im Büro ist, möchte er sich vielleicht auch mit seinen Kollegen austauschen.

[00:19:13]

Und dafür braucht man Meetings, Räume und eben auch einen größeren Flächenbedarf als ein einzelbüro, in dem ein Mitarbeiter nur vor sich hin arbeitet. Deswegen ist es nicht so, dass Homeoffice per se auf einen Schlag zu einem riesen Rückgang der Nachfrage nach Büroimmobilien führen wird.

[00:19:33]

Und auf der anderen Seite entstehen den Unternehmen wahrscheinlich auch Ersatz. Kosten im Homeoffice, oder? Das ist richtig. Ich glaube, jeder von uns, der einen Tag lang am Küchentisch vor seinem Laptop gesessen hat, auf einem harten Holzstuhl, wird mittlerweile der Meinung sein, dass man einen anständigen Rechner, einen guten Bildschirm zu Hause braucht und einen guten Arbeitstisch und einen Arbeitsstil. Und deswegen sind Zusatzkosten, die sicherlich auch von Gewerkschaftsseite gefordert werden, um die Mitarbeiter auch einen ergonomisch und gesundheitsbewusst Arbeiten zu Hause zu ermöglichen.

[00:20:08]

Was bedeutet der ganze Umbruch denn für die deutschen Banken? Bleiben jetzt auf ihren Krediten sitzen, die sie an Betreiber von Büro und Gewerbeflächen vergeben haben.

[00:20:16]

Kredite, die mit dem Wert von einer Immobilie besichert sind, sind tatsächlich in den Bilanzen vieler Banken. Und wenn der Wert dieser Immobilie sinkt, ist das natürlich auch schlecht für die Banken. Aber es gibt Rating-Agenturen, die davor gewarnt haben, dass das ein Risiko darstellt für die deutschen Banken. Aber ich glaube, noch Ist es wirklich zu früh zu sagen, wie stark sich der Wert von den Immobilien wirklich verändern wird? Kerstin Ich danke dir.

[00:20:51]

Damit ist für heute alles gesagt, zumindest von unserer Seite. Falls Sie aber jetzt noch Fragen oder Anmerkungen haben, falls Sie etwas kritisieren oder auch loben möchten, dann können Sie uns unter today at Handelsblatt Grupe schreiben. Redaktionsschluss für die Folge war heute um 16 Uhr. Und jetzt, liebe Zuhörer, genießen Sie Ihr Wochenende. Wir hören uns hoffentlich nächste Woche wieder Tschüss und bis Montag.