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Die Nadel im Heuhaufen, vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen im Netz, eine Sendung von Nikolaus Nitze.

[00:00:13]

Ich beginne immer, indem ich das in die Suchmaschine eingebe. Und da landet man tatsächlich zuerst bei einer Information von der Apotheken Umschau.

[00:00:22]

Carola Schreier sucht im Internet nach Informationen zu einer Krankheit, und die finde ich eigentlich ganz gut so als Verbraucher würde ich sagen Ach, das hört sich erst gut an. Das gucken wir uns jetzt mal an..

[00:00:33]

Schreier arbeitet beim Münchner Gesundheits, Laden als Patienten Beraterin, und sie ist auch Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Patienten Stellen. Eine Frau, die an Gürtelrose leidet, hat sich an sie gewandt. Und die Patienten? Beraterin schaut nach, was sie im Internet zu dem Thema findet, etwa zur Ansteckung mit den Viren, die den schmerzhaften Hautausschlag auslösen. Zunächst geht sie auf die Seite des Wort und Bild Verlags, dessen Zeitschrift Apotheken Umschau die meisten Deutschen kennen.

[00:01:01]

Wenn wir hier drauf schauen auf diese Seite wird der Begriff erklärt, ist Gürtelrose. Ich kann sogar sehen in einem Foto, wie das aussehen kann, denke ich mir, dann ist es das. Jetzt kann also ein Abgleich mit der Realität machen. Das finde ich auch ganz interessant. Und wenn ich jetzt zur Ansteckung. Mich informieren will, gibt es so ein kleines Video dazu. Also so ein Animationsfilmen. Das ist irgendwie auch ganz hübsch.

[00:01:25]

Das Online-Angebot der Apotheken Umschau habe aber einen Haken, findet sie.

[00:01:30]

Sie haben also auch hier im Text direkt ein Angebot zu einem ONLINE Hautarzt, wo Sie für 24 Euro 95 genau jetzt nochmal schnell einen Termin machen können, um Ihre Bläschen photographisch vielleicht hin zu schicken. Und dann sagt er Ihnen Ja, ist das. Das ist ein anderes Extrem. Oder Sie haben sich Mückenstich entzündet, und das finde ich wieder für uns als Verbraucher nicht so gut, weil erstmal will ich ja nur informiert werden, und zwar richtig aktuell umfänglich. Wie kann man es behandeln und so weiter.

[00:02:03]

Und es würde mich jetzt hier stören.

[00:02:05]

Die Werbung für die Dienstleistung eines ONLINE Hautarzt es ist nach Ansicht der Patienten Beraterin zu aufdringlich in das Angebot der Apotheken Umschau eingebaut. Problematisch findet Carola Schreier es auch, wenn Pharmakonzerne über bestimmte Internetadressen Patienten auf ihre Seiten lotsen, wie es etwa der Großkonzern Bristol-Myers Squibb mit derseite Krebs tut, oder der Pharmariese MSD mit Pille D. Es gibt aber auch Informationsangebote zu Medizin, Themen, die garantiert werbefrei sind, etwa die Seiten des Robert-Koch-Instituts. Die staatlich finanzierte Einrichtung befasst sich vor allem mit Infektionskrankheiten.

[00:02:45]

Aber die Patienten Beraterin Schreier hat auch mit den Zeiten des RKI Probleme. Sie sind ihr zu wissenschaftlich. Was auch daran liegt, dass das Institut sich vor allem an Fachleute wendet.

[00:02:55]

Das ist eher was für Experten, die sich da noch einmal vertiefen wollen oder großes Interesse zum Beispiel an Leistungen haben. Da würde man dann gute Informationen finden können, aber nicht für mich als medizinischer Laie.

[00:03:08]

Gesundheitsinformationen im Internet zu finden, die korrekt sind, verständlich und unabhängig, sei ausgesprochen schwer, findet auch die Medizin Professorin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg. Sie betreut beim Verein Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin den Bereich Patienten Information. Das Netzwerk macht sich für eine Gesundheitsversorgung stark, bei der wissenschaftliche Erkenntnisse im Mittelpunkt stehen.

[00:03:33]

Ich würde sagen, das Angebot im Internet ist im Augenblick völlig chaotisch umstrukturiert. Als Nutzer kann man gute von schlechten Informationen praktisch kaum unterscheiden. Man bräuchte eigentlich ein sehr hohes Maß an kritischer Gesundheits Kompetenz, um sich da zurechtfinden zu können.

[00:03:53]

Bei dem, was Wissenschaftler als Gesundheits Kompetenz bezeichnen, stehen die Deutschen allerdings nicht besonders gut da. Das zeigen Untersuchungen, die die Gesundheitswissenschaften Professorin Doris Schäfer von der Universität Bielefeld mit betreut. Dabei wurden Bürgerinnen und Bürger unter anderem dazu befragt, wie oft sie das Gefühl haben, Erklärungen beim Arzt, in der Apotheke oder auch von der Krankenkasse nicht zu verstehen.

[00:04:17]

Dazu haben wir Studien in Deutschland seit einigen Jahren, und die zeigen durchgängig immer wieder, dass die sogenannte Gesundheits Kompetenz der Deutschen, also die Fähigkeit zum Umgang mit Gesundheitsinformationen, nicht so gut ausgeprägt ist. Die größten Schwierigkeiten haben sie damit, Informationen zu suchen beziehungsweise zu finden und sie einzuschätzen.

[00:04:39]

Nach den Untersuchungen der Uni Bielefeld hatten zuletzt gut 54 Prozent der Deutschen nur eine eingeschränkte Gesundheits Kompetenz. Mehr als die Hälfte der Deutschen sehe sich Zitat vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt, wenn es darum geht, mit gesundheits relevanten Informationen umzugehen, schrieb die Uni Bielefeld bei der Veröffentlichung ihrer Daten. Carola Schreier, die Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der. Stellen hofft deshalb auf ein neues Angebot, das die Bundesregierung im vergangenen Jahr angekündigt hat und das jetzt im Sommer noch online starten soll. Ein nationales Gesundheitssport?

[00:05:14]

Wir haben das Problem bei den Patienten, dass die Masse ein Problem ist, die Masse und die Qualität. Und wenn wir hier eine Möglichkeit bekämen, das Eingangstor etwas zu verkleinern, dann wäre das sicher auf jeden Fall hilfreich.

[00:05:28]

Das Bundesgesundheitsministerium antwortet auf Fragen zu dem neuen Portal schriftlich.

[00:05:33]

Ziel ist es, nachhaltig das Wissen um Gesundheit zu steigern und damit auch dazu beizutragen, das Gesundheitswesen Nutzerfreundlichkeit zu machen. Das nationale Gesundheits Portal soll die zentrale Anlaufstelle für die Suche nach Gesundheitsinformationen werden.

[00:05:50]

Die Botschaft aus Berlin klingt ehrgeizig, zumal die Frage offen ist, wie das Gesundheitssport im Einzelnen aussehen wird. Zunächst startet es in einer Probe Version. Das Ministerium schreibt in einer Antwort, dort würden viele Inhalte zu finden sein, die offizielle Institutionen jetzt schon ins Internet stellen wie das Deutsche Krebsforschungszentrum und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, kurz IQWiG. Letzteres hat vor zwei Jahren auch ein Konzept vorgelegt, auf welche Weise ein nationales Gesundheits Portal möglichst viele Menschen erreichen könnte.

[00:06:24]

Das Bundesgesundheitsministerium wollte die Vorschläge allerdings nicht so umsetzen, wie das IQWiG sie ausgearbeitet hatte. Klaus Koch, der bei dem Institut die ONLINE Informationen betreut, will die Entscheidung des Ministeriums nicht kommentieren. Er selbst ist heute dafür verantwortlich, Inhalte, die sein Institut liefern soll, in das neue nationale Gesundheits Portal des Ministeriums einzubauen. Koch hofft, dass das Portal die Chancen der Patienten verbessert.

[00:06:51]

An verlässliche Informationen zu kommen, soll keine neue Nadel im Heuhaufen sein, sondern es soll eigentlich die Nadel im Heuhaufen an einer Stelle zusammensuchen. Das nationale Gesundheitssport? Wir haben ja die Situation, dass es jetzt schon viele wertvolle Informationsquellen zu gesundheitlichen Fragen im Internet gibt, die aber, wenn man Suchmaschinen oder andere Kanäle nutzt, nicht gut herauszufiltern sind. Für den normalen Nutzer aus halbgaren, aus überholten, falschen oder vielleicht sogar bewusst irreführenden Informationen, die es oft gibt, gerade in den vergangenen Monaten.

[00:07:27]

Der Coruna Krise hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, verständliche und unabhängige Gesundheitsinformationen bereitzustellen. Davon ist Sebastian Schmidt Kähler überzeugt. Er ist Kurdirektor der Bertelsmann-Stiftung und hat auch einen Sitz im Experten Beirat des Nationalen Aktionsplans Gesundheits Kompetenz, an dem neben der Uni Bielefeld auch der AOK-Bundesverband beteiligt ist. Schmidt Keller zieht eine gemischte Bilanz.

[00:07:53]

Ich habe ganz tolle Ansätze gesehen in den Medien, um zum Beispiel Infektionen Kurven zu erklären oder so ein Konstrukt wie Herden Immunität zu erläutern. Da muss man wirklich mal den Medien ein großes Kompliment machen. Aber natürlich haben wir auch erlebt eine Mixtur aus Widersprüchen, Unsicherheiten und Fachbegriffen. Ich nehme als Beispiel die Aussage Masken bringen nichts, und kurze Zeit später haben wir eine Masken Pflicht. Das verwirrt natürlich. Dazu kommen dann noch Verschwörungstheorien in den sozialen Netzwerken. Und das erzeugt Angst.

[00:08:27]

Dennis Ball Wiese, der als Geschäftsführer der Informationsangebote der Apotheken Umschau verantwortet, sieht die Möglichkeiten, sich im Internet kundig zu machen, etwas positiver. Er ist überzeugt, dass es grundsätzlich gute Möglichkeiten für alle gibt, sich zu informieren.

[00:08:43]

Ich bin der Meinung, dass wir heute schon zu allen Schlagworten, die eine Patientin oder ein Patient suchen kann, eigentlich die Laien verständlichen Gesundheitsinformationen anbietet.

[00:08:54]

Den Vorwurf, dass kommerzielle Angebote wie das der Apotheken Umschau, Werbung und Information vermischen würden, weist er zurück.

[00:09:01]

Ich glaube, dass es viele Verlage in Deutschland gibt oder auch Medienhäuser ganz allgemein, die unter Beweis stellen, dass es zusammengeht, Redaktionen und Anzeigen voneinander hart zu trennen. Ich erlebe, dass wir bei uns im Haus, bei Wort und Bild, in allen Medien, ob das Print ist oder ob das ONLINE ist, eine härtere Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung haben, als das glaube ich, in den meisten Medienhäusern so gelebt wird.

[00:09:26]

Auch für den Datenschutz gebe es bei seiner Firma und auch bei anderen wichtigen Anbietern inzwischen eine große Sensibilität, sagt Wieser. Allerdings könnte sich diese Sensibilität nicht nur von selbst entwickelt haben. Im vergangenen Herbst hat die aus Spenden und Stiftungsgelder finanzierte Bürgerrechtsorganisation Privacy International eine Studie veröffentlicht. Die zeigt privatwirtschaftliche Gesundheitsinformationen Seiten geben Daten ihrer Nutzer an, Dritte weiter, um sie zu Marketingzwecken auswerten zu lassen. Auch die Marktführer unter den deutschen Angeboten, also Apotheken Umschau und Nett, Dr.. Der britischen Organisation für ihren Umgang mit Nutzerdaten kritisiert der Geschäftsführer der Apotheken Umschau, ist sich aber sicher, dass es bei seriösen Anbietern inzwischen ein großes Bewusstsein dafür gebe, wie angreifbar sich ein Anbieter macht, der den Datenschutz nicht beachtet.

[00:10:19]

Ich glaube, dass es für alle im Markt notwendig sein wird, in Zukunft wesentlich transparenter damit umzugehen, was für welchen Zweck wie erhoben werden soll, und den Nutzerinnen und Nutzern auch eine Möglichkeit zu geben, dann auszuwählen, was ich zulassen möchte und was nicht.

[00:10:35]

In der Summe findet Ball Wiese, dass es heute schon genug zuverlässige privatwirtschaftliche Angebote gebe, wie das seine Apotheken Umschau oder auch Nett Dr. der Burda Mediengruppe oder Meder aus dem Springer-Verlag. Deshalb hat er an das neue, staatlich finanzierte nationale Gesundheitssport Tal, das jetzt an den Start geht, eine Forderung.

[00:10:55]

Ich würde mir erwarten, dass, wenn jetzt von öffentlicher Seite ein Angebot kommt, dass das quasi von der Versorgung Seite her nochmal eine besondere Zugänglichkeit für Krankenversicherte zum Beispiel anbietet. Da würde ich mir einen Mehrwert erhoffen, wenn hier die öffentliche Hand quasi in den Wettbewerb um die beste Information einsteigt.

[00:11:12]

Auch Sebastian Schmidt Kähler vom Nationalen Aktionsplan Gesundheits Kompetenz hat eine ähnliche Forderung an das neue Info Portal der Bundesregierung Dass wir dort nicht nur Informationen bekommen zu Erkrankungen und Behandlungsmethoden, sondern wir wissen, dass die Menschen ganz häufig ganz andere Fragen haben, nämlich zum Beispiel zum Recht der gesetzlichen Krankenversicherung, zu Behandlungsfehlern, zu Anträgen, zu Krankengeld. Wie funktioniert das Gesundheitssystem? Wer behandelten mich, wer ist zuständig? Das sind alles Fragen, die ein nationales Gesundheitssport langfristig auch beantworten sollte.

[00:11:46]

Ingrid Mühlhauser vom Netzwerk Evidenzbasierte Medizin hat dabei eine Sorge Weil das neue Info Portal ans Bundesgesundheitsministerium angegliedert sein wird, könnte es politische Einflussnahmen geben, fürchtet sie. Als Beispiel nennt sie die flächendeckenden Röntgenuntersuchungen zur Brustkrebs Früherkennung. Viele Frauen seien nicht gut darüber aufgeklärt, welche Chancen dieses Mammografie-Screening tatsächlich bietet und welche Risiken damit verbunden sein können, kritisiert die Medizinprofessor. Vielen Patientinnen sei eine wichtige Zahl nicht bewusst, sagt sie. Statistisch gesehen werde in einem Zeitraum von zehn Jahren nur eine von tausend Screening Teilnehmerinnen durch die Untersuchung vor einem Tod durch Brustkrebs bewahrt, während es gleichzeitig immer wieder auch falschen Alarm und unnötige Operationen gebe.

[00:12:35]

Bundesgesundheitsminister Spahn setzt bei diesem Thema ihrer Ansicht nach aber nicht auf umfassende Aufklärung, sondern erfahre eine Kampagne.

[00:12:43]

Also wenn der Minister zum Beispiel die Ansage macht, es sollten mindestens 50 Prozent der Frauen am Mammografie-Screening teilnehmen, dann steht das einer informierten Entscheidung entgegen einer informierten Entscheidung, ob ich als einzelner Frau an einem solchen Früherkennung teilnehmen möchte oder nicht.

[00:13:04]

Das Bundesgesundheitsministerium bemüht sich, solche Sorgen zu zerstreuen. In einer schriftlichen Antwort versichert ein Sprecher politische Einflussnahme auf das neue nationale Gesundheitssport. Mal werde es nicht geben.

[00:13:17]

Unsere Verantwortung ist uns durchaus bewusst. Das Bundesministerium für Gesundheit ist Träger des Portals, die Portal Redaktion ist jedoch unabhängig. Das Bundesministerium für Gesundheit ist nicht involviert in den redaktionell Prozess. Auf dem nationalen Gesundheits Portal wird darüber hinaus keine politische Kommunikation betrieben oder stattfinden.

[00:13:39]

Unter Fachleuten gibt es aber nicht nur die Sorge, dass das neue nationale Gesundheits Portal unter politischem Einfluss stehen könnte. Doris Schäfer hat seit 1997 an der Uni Bielefeld eine Professur für Gesundheitswissenschaften. Sie fürchtet, dass ein öffentlich finanziertes, nicht privatwirtschaftliches Gesundheits Portal viel zu spät kommt.

[00:14:00]

Er an der Universität Bielefeld hatten eigentlich einen ersten Vorlauf. Schon vor fast 20 Jahren muss ich Ihnen sagen, da gab es damals schon einen Versuch, ein solches nationales Portal zu erstellen. Und das wäre, glaube ich, auch die Zeit gewesen, in der das gut machbar gewesen wäre. Jetzt ist es ja sehr schwierig, weil auch dieses Portal wird natürlich neben vielen anderen stehen.

[00:14:20]

Und die Hamburger Medizin? Professorin Ingrid Mühlhauser, die beim Netzwerk Evidenzbasierte Medizin den Bereich Patienten Information betreut, vermisst einen intensiven Dialog des Gesundheitsministeriums mit Fachleuten aus verschiedensten Bereichen. Die Vorbereitungen für das Portal, das eine breite öffentlichkeit erreichen soll, seien weitgehend unter Ausschluss der öffentlichkeit erfolgt, kritisiert sie.

[00:14:43]

Ob die ursprünglichen Ziele tatsächlich erreicht werden können, kann ich im Augenblick überhaupt nicht beurteilen. Dazu bräuchte es eine Struktur, ein Ramen Modell eines wissenschaftlichen Netzwerks zur Erstellung und auch zur kontinuierlichen überprüfung der Entwicklungsschritte und der Ergebnisse eines solchen. Gesundheitssport, aber solche Bestrebungen kann ich im Augenblick nicht erkennen. Klaus Koch, der am Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen die online Informationen betreut, die zum Teil auch in das neue nationale Gesundheitssport Tal einfließen sollen, bemüht sich, solche Sorgen zu zerstreuen.

[00:15:23]

Auch er hätte sich einen früheren Start gewünscht, aber gar kein Staat sei auch keine Option, findet er.

[00:15:29]

Es ist richtig, dass Deutschland spät dran ist, aber sicher nicht zu spät. Weil die Coruña zeigen ja gerade, welche Bedeutung das Internet mittlerweile hat und dass es einen großen Bedarf nach aktuellen, verlässlichen und verständlichen Informationen gibt. Insofern ist ein nationales Gesundheitssport sicher auch ein Element gegen Desinformation. Das setzt allerdings voraus, dass sich das Portal erst mal Vertrauen erarbeitet und Bekanntheit erarbeitet. Das wird sicher einige Zeit dauern.

[00:16:00]

Auch der Kurdirektor der Bertelsmann-Stiftung, Sebastian Schmidt Keller, hat die Erfahrung gemacht, dass es für zuverlässige Informationsangebote nicht leicht ist, auffindbar zu sein. Dieses Schicksal könnte auch dem neuen nationalen Gesundheitssport Tal den Start erschweren, fürchtet er.

[00:16:16]

Das Problem ist leider, dass die Google Relevanz nicht immer gleich der Qualität ist. Ein gutes Angebot rutscht nicht automatisch nach oben im Google Ranking, und deshalb sind die hochwertigen Angebote leider manchmal Nadeln im Heuhaufen.

[00:16:31]

Die Gesundheitswissenschaftler Rinn Doris Schäfer von der Uni Bielefeld hofft, dass Patienten bald einen leichteren Zugang zu Informationen im Internet bekommen. Denn Studien ihrer Universität hätten eines klar gezeigt Viele Patienten vermissten eine zentrale, verlässliche Quelle.

[00:16:47]

Und da sehen wir immer wieder, dass speziell bei Menschen, die einen Gesundheitsproblem haben oder chronisch erkrankt sind, dass sie an der Vielzahl von Informationen, die inzwischen existiert, wirklich verzweifeln und auch an diesem Problem an Informationen, wo man nicht weiß, ob man sich wirklich auf sie verlassen kann. Und gerade die hoffen natürlich auf ein Portal und damit auf eine Webseite, auf die sie sich verlassen können, an die sie sich wenden können. Und wo Sie wissen Hier finde ich alles, und hier muss ich nicht fragen, ob ich am Ende einer Falschinformation aufgesessen bin.

[00:17:21]

Carola Schreier, die Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Patienten Stellen, hofft, dass die Bundesregierung genug Energie in den Aufbau eines neuen Gesundheitssport Hals steckt. Denn der Bedarf sei groß, sagt sie.

[00:17:33]

Wenn wir uns das nationale Portal vorstellen, als eine Eingangstür zu einer Bibliothek, und wenn ich hinein gehe, dann finde ich in dieser Bibliothek erst mal richtige, qualitäts gesicherte aktuelle Informationen über Gesundheitsfragen. Das ist doch toll. Jetzt müssen wir nur schauen, ob sozusagen das, was die Anbieter machen wollen oder zur Verfügung stellen wollen, mit dem, was die Nutzer meinen zu brauchen. Ob wir das in Einklang bringen können, damit dieses Portal dann auch genutzt wird, weil sonst bleibt es leider ein Feigenblatt.

[00:18:04]

In den Haushaltsplanungen der Bundesregierung sind für dieses Jahr 4,5 Millionen Euro für das nationale Gesundheits Portal vorgesehen. Gleichzeitig werden in der Gesundheitsbranche nach Berechnungen von Marktforschern pro Jahr mehr als 1,6 Milliarden Euro für kommerzielle Werbung ausgegeben. Privatunternehmen der Gesundheitsbranche geben für Werbung jedes Jahr also mehr als das 300 fache dessen aus, was an Staatsgeldern für das Start des nationalen Gesundheits Portals vorgesehen ist. Ob dieses Portal genügend Aufmerksamkeit der Nutzer bekommt und ob es sich in der Konkurrenz mit anderen Plattformen echte Relevanz erarbeiten kann, wird sich ab diesem Sommer zeigen.

[00:18:46]

Das war der Hintergrund die Nadel im Heuhaufen. Vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen im Netz Eine Sendung von Nikolaus Nütze. Redaktion Christoph Schäfer.