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[00:00:12]

Einen wunderschönen guten Abend allerseits. Mein Name ist Alev Doğan und das ist der achte Tag. Schön, dass Sie dabei sind. Heute, liebe Hörerinnen und Hörer, geht es ins Eingemachte, wie alle kennen. Davon gehe ich jetzt mal aus. Die sieben Todsünden, die die katholische Kirche benennt Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid, Faulheit bzw. Ignoranz. Ich würde sagen, es braucht schon einiges, um sein Gegenüber eine Todsünde zu bezichtigen. Ganz zu schweigen von allen sieben.

[00:00:47]

Mein heutiger Gast ist da nicht ganz so zimperlich und spricht nicht nur von einer, zwei oder sieben Todsünden, sondern von zehn. Und wie man in Deutschland könnte man wohl zehn Todsünden vorwerfen. Na klar, der Schulpolitik. Herzlich willkommen im achten Tag. Heinz-Peter Meidinger. Guten Tag, Staatsorgan Herr Meidinger, stellen Sie sich uns doch einmal vor. Ja, ja.

[00:01:12]

Mein Name ist Heinz-Peter Meidinger. Ich bin mittlerweile 66 Jahre alt, war lange Zeit Lehrer an einem Gymnasium, das in der Lehrerausbildung, später dann 17 Jahre lang Schulleiter in Niederbayern, in Deggendorf und gleichzeitig auch in der Verbotspolitik tätig. Mehrere Jahre lang als Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes und jetzt seit und als Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, vertrete die Interessen von circa 165 000 Lehrkräften in Deutschland. Und sie haben ein Buch geschrieben.

[00:01:49]

Und ich würde unseren Hörerinnen und Hörern mal gerne eine ungefähre Idee davon geben. Denn zehn Kapitel sind ja analog zu den zehn Todsünden und handeln unter anderem von ich zitiere Überforderung, Dauer, Versagen, katastrophales Krisenmanagement, Vernachlässigung und Totalversagen. Dann gibt es zum Glück am Ende ja ein elftes Kapitel, das den frustrierten Leser vielleicht von einer Auswanderung abhalten soll, nämlich der Ausblick und die Ratschläge. Und weil wir hier im achten Tag sind, indem wir eben nicht nur jammern.

[00:02:25]

Ein bisschen jammern wir schon. Manchmal ja, aber eben nur ein bisschen, sondern vor allem konstruktive Impulse geben. Konzentrieren wir beide uns heute Abend auf dieses letzte Kapitel, auf Ihre Ratschläge? Meidinger Seien Sie doch mal so nett und denken Sie für uns mit uns Schule und Schulpolitik neu. Ja, also in der Tat. Das Buch war ja vor allem geschrieben, um einfach mal meinen Ärger loszuwerden. Aber der Blick soll in die Zukunft gehen. Wie kann eine bessere Bildungspolitik aussehen?

[00:03:03]

Wie können wir auch bessere Schulen bekommen? Sie können wir auch dazu beitragen, dass wir in Deutschland besseren Unterricht haben. Und um eine bessere Schulpolitik hinzukriegen, glaube ich, müssen wir unseren Bildungsföderalismus reformieren. Das heißt, die derzeitigen Entscheidungsstrukturen sind viel zu schwerfällig. Wir sind ja jetzt wieder. Die Länder kriegen es nicht mal hin, einheitlichen jenen Stufenplan zu machen. Viele Probleme bleiben einfach liegen. Vergleichbarkeit, also eine Reform des Bildungsföderalismus, das heißt weg vom Einstimmigkeitsprinzip.

[00:03:40]

Endlich mal die Dinge anpacken, Bildung, Staatsvertrag zu machen. Aber ich stelle mir auch vor, dass wir jetzt aus dieser Pandemie gestärkt in Bezug auf unsere Schulen herauskommen können. Wir haben gesehen, jetzt auch mit der Digitalisierung. Welche zusätzlichen Möglichkeiten das gibt. Und ich bin großer Hoffnung, dass wir aus dieser Pandemie auch Dinge mitnehmen in die Schule der Zukunft. Dass wir nicht in den alten Trott zurückfallen, dass wir digitale Tools einbauen, dass wir vielleicht auch in Zukunft beispielsweise einen Teil der Stunden gar nicht in der Schule haben, sondern zuhause.

[00:04:19]

Dass auch Lehrkräfte digitalen Unterricht in ihr lehrt. Deputat eingebunden haben. Und dass wir so schöne Dinge, die wir jetzt sehen, also dass viele Lehrkräfte jetzt plötzlich Lernvideos auch selber erarbeiten. Dass wir das wirklich dann auch in einen Unterricht der Zukunft mitnehmen.

[00:04:37]

Durch dieses Arbeiten mit diesen digitalen Medien habe ich ein viel besseres Gefühl in der Schule und es macht noch mehr Spaß. In meiner Klasse gab es sehr viele Verbesserungen durch das iPad, da Notendurchschnitt um 0,9 gestiegen sind, also besser geworden sind. Meine Eltern waren anfangs sehr skeptisch. Mittlerweile sind sie sogar große Fans davon. Ich finde, die Lehrer, die machen auch gut mit. Die wollen das auch. Man merkt, dass die auch Spaß dran haben. Sie haben gesehen, wie viel Kraft in unseren Schulen steckt.

[00:05:03]

Warum wir gut durch die Pandemie kommen, liegt ja nicht an der Bildungspolitik, sondern es liegt oft daran, dass vor Ort enorm viel Engagement da ist. Kreativität, dass Schüler, Eltern und Lehrkräfte an einem Strang ziehen. Und diese Gemeinsamkeit, diese Selbst-Bewusstsein, Eigenständigkeit. Das glaube ich, sollten wir mitnehmen in die Schule der Zukunft.

[00:05:24]

Ja, Herr Meidinger, eine Frage Sind Kinder, ist Bildung zu wichtig, um es dem Föderalismus hinzugeben?

[00:05:34]

Bildung ist absolut wichtig und ich glaube auch, dass Bildung so geringen Stellenwert hat. In Sonntagsreden groß, aber in der Praxis eben leider nicht. Also als das große Konjunkturprogramm da geschmiedet worden ist im Zusammenhang mit Coruña, das sind ja die Schulen kaum bedacht worden, da hat man geschaut auf Wirtschaft usw.. Ich glaube allerdings, Bildungsföderalismus könnte gut funktionieren, könnte für die Schulen gut sein, wenn eben tatsächlich ist, ein echter Wettbewerbsföderalismus wäre und nicht jedes Land eben das macht, was es für richtig hält und sich um die anderen Länder nicht kümmert.

[00:06:12]

Und ich habe mit Hans-Peter Meidinger noch viel länger gesprochen. Zum Beispiel über den für die Schulen sehr abrupt beendeten Präsenz Unterricht beim ersten Coruña Lockdown im vergangenen Jahr.

[00:06:24]

Die Schulen waren nicht darauf eingestellt. Wir haben bestimmte Schülergruppen auch verloren, die wir abgehängt kam. Teil der Schüler konnte damit umgehen, ein Teil der Lehrer anderer nicht. Digital Unterricht ist wichtig, aber er kann Presents Unterricht nicht ersetzen.

[00:06:38]

Meidinger und seine Kollegen wünschen sich wie die allermeisten von uns eine Rückkehr zur Normalität. Öffnung ja, aber geregelt, fordert er.

[00:06:48]

Deswegen würden wir uns ein Licinius Stufenplan wünschen, wo man sagt Okay, in dem Landkreis ist man unter 50, da kommen wir wieder in den Wechsel Betrieb zurückkehren und im Landkreis daneben leider noch nicht. Das, was jetzt die Länder machen, ist ja wieder landesweite Lösungen.

[00:07:05]

Aber jedes Land eigenes, was sich der Lehrer Sprecher Heinz-Peter Meidinger noch wünscht. Nun ein Konzept für Coruña Tests in den Schulen, Belüftung, Systeme in den Klassenzimmern und seine Kolleginnen und Kollegen will er auch besser schützen.

[00:07:20]

Wir müssten auch drüber reden, ob nicht Lehrkräfte in der Priorität nach vorne rücken wollen, so wie es jetzt vorgesehen ist. Kämen sie erst im Sommer dran, dann ist das Schuljahr gelaufen. Dann hilft es für den hygienisch Schutzherrn Schulen nichts mehr.

[00:07:34]

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[00:08:08]

Ihre Erleb Doğan.